Drei Grad über dem Horizont
Am Abend des 12. August 2026 schiebt sich der Mond über Thun vor die untergehende Sonne. Alles auf dieser Seite lässt sich bewegen — die Erklärungen liegen darunter und öffnen sich auf Klick.
- Beginn
- 19:25 Uhr
- Maximum
- 20:19 Uhr
- Bedeckung
- 91 %
- Sonnenhöhe
- 3.3°
- Untergang
- 20:45 Uhr
- Richtung
- WNW
Zuerst
Kein einziger Moment ohne Filter
- Sammelfläche
- ×51
- Vergleich
- Pupille 7 mm
- Sehschärfe vorher
- 1.0
- Sehschärfe nachher
- 1.0
- Erholung
- kein Schaden
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Warum 91 % nicht «fast sicher» heisst
In Thun gibt es an diesem Abend keine Sekunde, in der man ohne zertifizierten Filter zur Sonne schauen darf. Das ist der Unterschied zu Nordspanien: Nur im schmalen Streifen der Totalität, und nur während der rund 100 Sekunden vollständiger Bedeckung, darf die Brille weg.
Bleiben 9 % der Sonnenfläche übrig, bleiben grob 9 % des Lichts. Die volle Sonne ist rund 400 000-mal heller als der Vollmond — die Restsichel also immer noch etwa 36 000-mal.
Wie die Skala zu lesen ist
Der Balken in der Darstellung zeigt, wie viel des sichtbaren Sonnenlichts ein Material durchlässt — logarithmisch, jeder Schritt ist ein Faktor zehn. Die weisse Linie markiert 0.0032 %: den höchsten Durchlass, den die Norm ISO 12312-2 für den direkten Blick in die Sonne zulässt. Eine typische Finsternisbrille liegt bei rund 0.001 %, lässt also etwa ein Hunderttausendstel durch. Eine Sonnenbrille liegt bei 10 % — rund dreitausendmal zu hell.
Die Norm begrenzt nicht nur das sichtbare Licht, sondern auch Ultraviolett und Infrarot. Genau daran scheitern die Hausmittel: Sie sehen dunkel aus, filtern aber ausserhalb des sichtbaren Bereichs kaum.
Die Netzhaut meldet den Schaden nicht
- Es tut nicht weh. Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren. Während der Schaden entsteht, spürt man nichts.
- Es kommt verzögert. Beschwerden treten typischerweise erst nach Stunden auf, oft am nächsten Morgen: ein verschwommener oder dunkler Fleck genau in der Blickmitte. Ein Teil erholt sich über Wochen, ein Teil bleibt.
- Es ist kein Verbrennen im Alltagssinn. Der Schaden entsteht überwiegend photochemisch: Das energiereiche Licht löst in den Sehzellen Reaktionen aus, die sie zerstören. Deshalb genügt schon eine Lichtmenge, die sich nicht als Hitze bemerkbar macht.
- Die Pupille bleibt offen. Bei stark bedeckter Sonne blendet es weniger, die Pupille zieht sich also weniger zusammen — und lässt mehr von der immer noch grellen Sichel herein.
Auch tief am Horizont ist die Sonne nicht sicher. Dunst, Wolken und die geringe Sonnenhöhe können die Blendwirkung deutlich reduzieren — daraus folgt aber nicht, dass ein direkter Blick ungefährlich wäre. Weniger Blendung heisst nur, dass die eigene Warnschwelle sinkt, nicht die Belastung der Netzhaut. Während der gesamten partiellen Finsternis gilt deshalb dieselbe Regel: nur mit geeignetem Sonnenfilter beobachten.
Was nicht funktioniert
Sonnenbrillen, auch mehrere übereinander. Rettungsdecken, CDs, berusstes Glas, belichteter Film, Röntgenfilm. Alle sind entweder zu hell oder im Infrarot viel durchlässiger, als sie im Sichtbaren aussehen. Wolken und Dunst sind ebenfalls kein Filter. Und das Kamerabild eines Handys schützt nicht: Man richtet die Kamera auf die Sonne und blickt in der Praxis doch daran vorbei — der Bildsensor nimmt dabei zusätzlich Schaden.
Was funktioniert
Norm und CE prüfen
Auf Bügel oder Rand müssen ISO 12312-2:2015 und das CE-Zeichen stehen, und die Brille muss unbeschädigt sein. Im Zweifel eine Brille aus vertrauenswürdiger Quelle verwenden — Optiker, Apotheke, Sternwarte oder Astronomie-Fachhandel.
Gegen die Lampe halten
Durch eine intakte Brille sieht man drinnen praktisch nichts — nur eine starke Glühlampe schwach. Sieht man Möbel, ist es keine Finsternisbrille.
Auf Löcher prüfen
Gegen eine helle Lampe halten: kein heller Punkt, kein Riss, keine Falte in der Folie.
Reihenfolge einhalten
Brille auf, dann den Kopf zur Sonne drehen. Wegschauen, dann Brille ab. Nie umgekehrt.
Teilen geht
Weil man ohnehin nur kurz und mit Pausen schaut, kann eine Gruppe sich eine Brille teilen. Wichtig ist dann die Übergabe: Erst wenn die eine Person weggeschaut und die Brille abgesetzt hat, setzt die nächste sie auf.
Für später aufbewahren
Trocken und geschützt lagern. Vor jeder Verwendung erneut auf Kratzer, Löcher, Ablösungen und andere Schäden prüfen. Am 2. August 2027 folgt die nächste partielle Finsternis über Mitteleuropa.
Schweisserglas kommt nur als festes Glas ab Schutzstufe 14 in Frage; die in Werkstätten übliche Stufe 9 bis 13 reicht nicht, und automatisch abdunkelnde Helme sind ungeeignet. Fachgesellschaften nennen teils bereits Stufe 12 als Untergrenze — wir bleiben bei der strengeren Angabe.
Was ein Netzhautschaden im Alltag bedeutet
Getroffen wird die Stelle des schärfsten Sehens, die Fovea — ein Fleck von etwa anderthalb Millimetern in der Mitte der Netzhaut. Genau dorthin bündelt die Augenlinse das Sonnenbild. Der Ausfall liegt deshalb immer in der Blickmitte und wandert mit: Man kann nicht daneben schauen. Das Umfeld bleibt scharf, und genau das führt dazu, dass Betroffene den Schaden zuerst unterschätzen.
Typisch sind ein verschwommener oder grauer Fleck in der Mitte, verzerrte gerade Linien und blassere Farben. Was daran scheitert: Lesen, Gesichter erkennen, Bildschirmarbeit, das Kleingedruckte, später die Fahrprüfung. Was weiter funktioniert: sich im Raum bewegen, Umrisse erkennen, grobe Orientierung.
Die Simulation nebenan ist schematisch. Sie zeigt drei Schweregrade, wie sie in der Literatur zu Sonnenfinsternis-Netzhautschäden beschrieben werden — von einer Sehschärfe um 0.8 mit Erholung über Wochen bis zu einem bleibenden Ausfall um 0.1. Eine echte Sehprobentafel braucht einen definierten Abstand; die Werte hier sind Grössenordnungen, keine Messung und keine Prognose.
Zwei Dinge zur Einordnung, damit die Sache stimmt. Erstens: Nicht jeder kurze Blick führt zu einem Schaden. Das Risiko wächst mit der Dauer, mit der Helligkeit — und sprunghaft, sobald Optik im Spiel ist. Zweitens: Ein Teil der Fälle erholt sich über drei bis sechs Monate ganz oder teilweise. Beides ändert nichts an der Regel, denn welcher Fall eintritt, entscheidet sich nicht beim Hinschauen, sondern erst Wochen später.
Wenn nach dem 12. August ein Fleck, eine Verzerrung oder eine Unschärfe in der Blickmitte auftritt: nicht abwarten, sondern umgehend augenärztlich abklären lassen — und beim Termin erwähnen, dass zur Sonne geschaut wurde. Das erspart Umwege in der Diagnose.
Fernglas, Teleskop, Teleobjektiv
Diese Geräte sammeln Licht auf einer viel grösseren Fläche als die Pupille und bündeln es aufs Auge. Der Faktor ist das Verhältnis der Flächen, also das Quadrat der Durchmesser: 50 mm gegenüber 7 mm ergibt rund das 51-Fache. Bleibende Schäden entstehen hier in Sekundenbruchteilen.
Eine Finsternisbrille vor das Auge zu halten und dann durchzuschauen, hilft nicht — die Folie schmilzt oder reisst im gebündelten Strahl. Ein Filter gehört vorne auf die Öffnung, fest sitzend. Wer ohne Filter beobachten will, projiziert das Sonnenbild durch ein kleines Loch auf eine helle Fläche und schaut dabei von der Sonne weg.
Was passiert
Teilfinsternis in Thun, Totalität in Spanien
Thun
partiell
Burgos, Nordspanien
partiell
- Uhrzeit
- 20:19
- Bedeckung
- 91 %
- Sonnenhöhe
- 3.3°
- Azimut
- 288°
Der Regler steuert alle vier Ansichten.
Zwei Schatten, zwei völlig verschiedene Erlebnisse
Der Mond wirft einen Kernschatten und einen Halbschatten. Im Kernschatten verdeckt er die Sonne vollständig; er ist an diesem Abend an der breitesten Stelle rund 294 km breit und streicht über Grönland, Island und Nordspanien. Im Halbschatten verdeckt er sie nur teilweise; der ist tausende Kilometer breit und überzieht halb Europa — auch Thun.
Der Unterschied ist nicht graduell. Zwischen 99 % und 100 % liegt das ganze Ereignis: Erst bei vollständiger Bedeckung wird es nachtdunkel, erscheint die Korona, treten Sterne hervor — und erst dann, und nur dort, darf die Brille weg. In Burgos dauert das rund 1 Minute 44 Sekunden, bei einer Sonnenhöhe von etwa 8°.
Was in Thun tatsächlich zu sehen ist
Der Mond schiebt sich ab 19:25 Uhr am oberen rechten Sonnenrand herein und wandert nach links unten. Um 20:19 Uhr bleibt unten rechts eine schmale Sichel. Das Licht wird merklich fahl — etwa wie unter einer dichten Gewitterwolke, verstärkt durch den ohnehin einsetzenden Sonnenuntergang. Dunkel wird es nicht.
Das eigentliche Bild des Abends kommt zum Schluss: eine orange glühende Sichel, die gegen 20:45 Uhr in den Horizontdunst eintaucht. Der absteigende Ast der Finsternis läuft danach bis 21:13 Uhr weiter — unter dem Horizont. Der Zeitregler reicht bis dorthin.
Der Abend, Schritt für Schritt
| Zeit | Was passiert | Was du tust |
|---|---|---|
| 19:05 | Sonne rund 15° hoch | Standort einnehmen, freie Sicht nach WNW prüfen, Brille kontrollieren |
| 19:25 | Erster Kontakt am oberen rechten Sonnenrand | Mit Brille schauen. Ohne Brille ist noch nichts zu erkennen |
| 19:45 | Rund ein Viertel bedeckt, Sonne noch 9° hoch | Sonne noch hoch genug, um das Bild durch ein kleines Loch auf eine helle Fläche zu projizieren |
| 20:05 | Rund zwei Drittel bedeckt, das Licht wird fahl | Umgebung beobachten: Farben, Schatten, Temperatur, Vögel |
| 20:19 | Maximum, rund 91 % bedeckt, Sonne 3.3° hoch | Sichel mit Brille anschauen, in kurzen Intervallen |
| 20:35 | Bedeckung nimmt wieder ab, Sonne noch 0.8° hoch | Die Sichel taucht in den Horizontdunst. Brille trotzdem auf |
| 20:45 | Sonnenuntergang, Finsternis noch im Gang | Ende der Beobachtung |
| ab 23:00 | Perseiden-Maximum bei Neumond, also mondloser Himmel | Blickrichtung wechseln: Nordosten, ohne Ausrüstung |
Standort und Wetter
Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern der freie Horizont zwischen etwa 278° und 293° — Richtung Mittelland, nicht Richtung Stockhorn und Niesen. 3.3° Sonnenhöhe bedeutet: Ein Hügelzug in 5 km Entfernung darf höchstens rund 290 m über dem Standort liegen, sonst verschluckt er das Maximum.
Eine schmale Wolkenbank tief im Westen genügt, um alles zu verdecken, auch bei sonst klarem Himmel. Ab dem Vormittag die Satellitenbilder verfolgen und einen Ausweichstandort bereithalten. Ist es bewölkt, bleibt die Verdunkelung trotzdem spürbar — und Livestreams aus Spanien und Island zeigen die Totalität in Echtzeit.