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TALS Physik · Lerngebiet 4 Mechanik · Dynamik

Handout — Theorie

1. Kraft und Masse

📘 Kraft

Eine Kraft ist die Ursache jeder Änderung des Bewegungszustands oder der Form eines Körpers. Sie ist ein Vektor — sie hat Betrag und Richtung. SI-Einheit: Newton, \(1\;\text{N} = 1\;\text{kg}\cdot\text{m/s}^2\). Mehrere Kräfte werden vektoriell zur Gesamtkraft (Resultierenden) addiert.

📘 Masse und Gewichtskraft

Die Masse \(m\) (in kg) ist ein Mass für die Trägheit eines Körpers — sie ist überall gleich. Die Gewichtskraft ist die Kraft, mit der die Erde an der Masse zieht:

\[ F_G = m \cdot g \qquad g = 9.81\;\text{m/s}^2 \]

Anders als die Masse hängt das Gewicht vom Ort ab (auf dem Mond ist \(g\) kleiner, die Masse bleibt gleich).

2. Die drei Newtonschen Gesetze

📘 1. Newton — Trägheitsgesetz

Ein Körper bleibt in Ruhe oder in gleichförmiger, geradliniger Bewegung, solange keine Gesamtkraft auf ihn wirkt. Ist \(\vec{F}_{\text{ges}} = 0\), so ist \(\vec{v} = \text{konstant}\).

📘 2. Newton — Grundgesetz der Mechanik

Die Gesamtkraft auf einen Körper ist gleich Masse mal Beschleunigung; beide Vektoren zeigen in dieselbe Richtung:

\[ \vec{F}_{\text{ges}} = m \cdot \vec{a} \]

Doppelte Kraft bei gleicher Masse → doppelte Beschleunigung. Doppelte Masse bei gleicher Kraft → halbe Beschleunigung.

📘 3. Newton — Wechselwirkungsgesetz (actio = reactio)

Übt Körper A auf Körper B eine Kraft aus, so übt B auf A eine gleich grosse, entgegengesetzt gerichtete Kraft aus:

\[ \vec{F}_{A\to B} = -\,\vec{F}_{B\to A} \]

Die beiden Kräfte greifen an verschiedenen Körpern an — sie heben sich daher nicht auf.

3. Federkraft — das Hookesche Gesetz

📘 Hookesches Gesetz

Im elastischen Bereich ist die Rückstellkraft einer Feder proportional zur Auslenkung \(s\):

\[ F = D \cdot s \]

\(D\) ist die Federkonstante (Federhärte) in N/m. Eine grosse Federkonstante bedeutet eine harte Feder. Hängt man eine Masse an, stellt sich die Dehnung so ein, dass die Federkraft die Gewichtskraft trägt: \(D \cdot s = m \cdot g\).

4. Reibung

📘 Haft- und Gleitreibung

Reibungskräfte wirken stets entgegen der (möglichen) Bewegung. Sie sind proportional zur Normalkraft \(F_N\), mit der die Flächen aufeinandergedrückt werden:

\[ F_R = \mu \cdot F_N \]

Die Haftreibung (Reibungszahl \(\mu_{\text{H}}\)) verhindert das Losbewegen; ihr Maximalwert \(F_{\text{H,max}} = \mu_{\text{H}} \cdot F_N\) muss überschritten werden, damit der Körper gleitet. Die Gleitreibung (\(\mu_{\text{G}}\)) wirkt während der Bewegung. In der Regel gilt \(\mu_{\text{H}} \ge \mu_{\text{G}}\) — Anfahren braucht mehr Kraft als das Weiterschieben.

Typische Reibungszahlen

Materialpaar\(\mu_{\text{H}}\)\(\mu_{\text{G}}\)
Gummi auf trockenem Asphalt\(\approx 0.9\)\(\approx 0.7\)
Stahl auf Stahl\(\approx 0.15\)\(\approx 0.10\)
Holz auf Holz\(\approx 0.5\)\(\approx 0.3\)
Ski/Snowboard auf Schnee\(\approx 0.1\)\(\approx 0.05\)

5. Die schiefe Ebene

📘 Kräftezerlegung am Hang

Auf einem um den Winkel \(\alpha\) geneigten Hang wird die Gewichtskraft \(F_G = m g\) in zwei senkrecht zueinander stehende Komponenten zerlegt:

\[ F_H = m\,g\,\sin\alpha \qquad F_N = m\,g\,\cos\alpha \]

\(F_H\) ist die Hangabtriebskraft (parallel zur Ebene, treibt den Körper hangabwärts), \(F_N\) die Normalkraft (senkrecht zur Ebene, drückt den Körper auf die Unterlage). Die Reibung berechnet sich aus dieser Normalkraft: \(F_R = \mu \cdot F_N = \mu\,m\,g\,\cos\alpha\).

🟢 Beschleunigung am Hang

Aus Hangabtrieb minus Reibung folgt mit dem Grundgesetz \(m\,a = F_H - F_R\) eine massenunabhängige Beschleunigung:

\[ a = g\,(\sin\alpha - \mu\cos\alpha) \]

Ohne Reibung (\(\mu = 0\)) vereinfacht sich das zu \(a = g\,\sin\alpha\). Ist \(\sin\alpha \le \mu\cos\alpha\), also \(\tan\alpha \le \mu\), bleibt der Körper liegen.

6. Die Atwoodsche Fallmaschine

📘 Zwei Massen über eine Rolle

Hängen an einem masselosen Faden über einer reibungsfreien Rolle zwei Massen \(m_1 > m_2\), so treibt die Differenz der Gewichtskräfte beide Massen gemeinsam an:

\[ a = \frac{(m_1 - m_2)\,g}{m_1 + m_2} \]

Die Fadenkraft (Seilspannung) ergibt sich, indem man eine der Massen einzeln betrachtet, z.B. die aufsteigende: \(F_{\text{Faden}} = m_2\,(g + a)\). Die Maschine erlaubt es, eine kleine, gut messbare Beschleunigung zu erzeugen und so \(g\) experimentell zu bestimmen.

7. Zusammenfassung

KonzeptFormel
Grundgesetz (2. Newton)\(\vec{F}_{\text{ges}} = m \cdot \vec{a}\)
Gewichtskraft\(F_G = m \cdot g\)
Federkraft (Hooke)\(F = D \cdot s\)
Reibungskraft\(F_R = \mu \cdot F_N\)
Hangabtrieb / Normalkraft\(F_H = m g \sin\alpha\), \(\;F_N = m g \cos\alpha\)
Beschleunigung am Hang\(a = g(\sin\alpha - \mu\cos\alpha)\)
Atwood-Maschine\(a = (m_1-m_2)g/(m_1+m_2)\)
Eine Kraft ist die Ursache jeder Bewegungsänderung. Nur die Gesamtkraft zählt: ist sie null, bleibt die Geschwindigkeit konstant (Trägheit); ist sie ungleich null, beschleunigt der Körper gemäss \(\vec{F}_{\text{ges}} = m\,\vec{a}\). Und jede Kraft hat eine gleich grosse Gegenkraft am anderen Körper.