Physik · Lerngebiet 6 Einführung in andere Bereiche der Physik

6.1a Wellenexperimente

Sieben Experimente am Seil und an der Feder — Störungen, Wellen und stehende Wellen zum Selbst-Einstellen.

🔭 Vertiefung zu 6.1 Wellen — Experimentierseite über den RLP hinaus
  • eine einzelne Störung (Puls) und eine harmonische Welle am Seil und an der Spiralfeder beobachten — und die Bewegung der Teilchen von der Bewegung der Welle unterscheiden
  • Momentbild \(y(s)\) und Zeitdiagramm \(y(t)\) derselben Welle gegenüberstellen und daraus \(\lambda\) bzw. \(T\) ablesen
  • die Reflexion am festen und am losen Seilende vorhersagen und überprüfen
  • die Überlagerung (Superposition) zweier Störungen konstruieren — konstruktiv und destruktiv
  • stehende Wellen erzeugen und die Eigenschwingungen einer eingespannten Saite (Grundton, Obertöne) untersuchen
🎯 Lernziele — das kann ich nach dieser Seite
  • Ich kann beschreiben, wie ein Puls durch ein Seil läuft — und was dabei ein einzelnes Seilstück macht.
  • Ich kann Momentbild \(y(s)\) und Zeitdiagramm \(y(t)\) auseinanderhalten und \(\lambda\) bzw. \(T\) daraus ablesen.
  • Ich kann Transversal- und Longitudinalwellen an derselben Teilchenkette unterscheiden.
  • Ich kann die Reflexion am festen und am losen Ende vorhersagen.
  • Ich kann die Überlagerung zweier Störungen konstruieren und erklären, warum sich Wellen ungestört durchdringen.
  • Ich kann erklären, wie stehende Wellen entstehen, und \(\lambda_n\) und \(f_n\) einer eingespannten Saite berechnen.

Einstieg — ein Ruck am Seil

Binde ein Seil an eine Türklinke, spanne es leicht und gib am freien Ende einen einzigen kurzen Ruck nach oben. Ein Buckel läuft durch das Seil zur Tür — obwohl kein Stück Seil mitwandert. Jedes Seilstück hebt sich nur kurz und senkt sich wieder; weitergereicht wird allein die Störung. Genau das ist der Kern jeder Welle: Die Form wandert, das Material bleibt.

🧪 Selber ausprobieren
  • Seil oder Gummiband: ein kurzer Ruck quer zum Seil — der Buckel läuft als Transversalpuls davon.
  • Spiralfeder (Slinky): ein kurzer Stoss längs der Feder — eine Verdichtung läuft als Longitudinalpuls durch die Windungen.
  • Stadion-La-Ola: jede Person steht nur kurz auf und setzt sich wieder — trotzdem läuft die «Welle» einmal ums Stadion.

In der ersten Animation läuft genau so ein Puls durch ein 8 m langes Seil. Oben siehst du das Momentbild \(y(s)\) — die Form des Seils jetzt gerade. Unten schreibt das markierte Teilchen bei \(s = 5\;\text{m}\) seine eigene Bewegung \(y(t)\) mit, wie ein Messschreiber.

Animation 1 · Eine Störung läuft durchs Seil

✓ Erkenntnis
2.0 m/s
1.0 m
5.0 m
1.00
Seillänge 8 m · markiertes Teilchen mit dem \(s\)-Regler wählbar
Zeit \(t\)0.00 s
Pulszentrum \(s_P\)−1.0 m
Teilchen-Auslenkung0.0 cm
📷 Momentbild \(y(s)\) — die Seilform jetzt gerade
🖊 Mitschrieb \(y(t)\) — die Bewegung des markierten Teilchens
Seilform (Momentbild) markiertes Teilchen Punktbewegung \(y(t)\)
✏️ Mini-Check
Multiple Choice

Ein Puls läuft durch ein Seil. Was macht ein Seilstück, nachdem der Puls vorbeigelaufen ist?

  • Es wandert mit dem Puls weiter.
  • Es bleibt an seinem Ort in Ruhe.
  • Es schwingt dauerhaft weiter.
Lösung anzeigen
B. Das Seilstück hebt sich nur kurz und kehrt in die Ruhelage zurück — weitergereicht wird die Störung, nicht das Material (siehe Animation 1).
Lückentext

Eine Welle transportiert , aber keine Materie.

Lösung anzeigen
Energie — die Teilchen schwingen nur um ihre Ruhelage.
Kurze Rechnung

Ein Puls braucht für ein \(12\;\text{m}\) langes Seil \(4\;\text{s}\). Wie gross ist \(c\)?

Lösung anzeigen
\(c = \dfrac{s}{t} = \dfrac{12\;\text{m}}{4\;\text{s}} = 3\;\text{m/s}\).
Transfer

Bei der La-Ola im Stadion: Was «läuft» ums Stadion, und was bleibt am Platz?

Lösungsweg anzeigen
Das Muster (die Störung) läuft ums Stadion; jede Person bleibt an ihrem Platz und «schwingt» nur einmal kurz auf und ab. Genau wie die Teilchen in Animation 1.

Vom Wackeln zur Welle

Bewegt man das Seilende nicht einmal, sondern periodisch auf und ab (eine Hand, die gleichmässig wackelt), reiht sich Puls an Puls: Es entsteht eine harmonische Welle. Jedes Teilchen übernimmt die Bewegung seines Nachbarn mit einer kleinen Verzögerung — deshalb schwingen benachbarte Teilchen phasenversetzt, und das Muster wandert mit \(c\) nach rechts.

📘 Wellenlänge aus Frequenz und Geschwindigkeit

In einer Periode \(T\) macht der Erreger genau eine volle Schwingung — und die Welle rückt dabei genau um eine Wellenlänge \(\lambda\) weiter. Mit \(f = 1/T\) folgt:

\[ \lambda = c \cdot T = \frac{c}{f} \qquad\Longleftrightarrow\qquad c = \lambda \cdot f \]

Die Geschwindigkeit \(c\) ist eine Eigenschaft des Mediums (Seil, Feder, Spannung) — der Erreger bestimmt nur \(f\) und die Amplitude \(A\). Wackelt man schneller, wird die Welle also enger, nicht schneller.

Animation 2 · Vom Wackeln zur Welle

✓ Erkenntnis
1.0 Hz
5.0 cm
3.0 m
4.5 m
1.00
\(c = 2.0\;\text{m/s}\) (Eigenschaft des Seils) · Teilchen mit dem \(s\)-Regler wählbar
\(\lambda = c/f\)2.00 m
\(T = 1/f\)1.00 s
\(c\)2.0 m/s
📷 Momentbild \(y(s)\) — Erreger links, Wellenfront läuft nach rechts
🖊 Mitschrieb \(y(t)\) des gewählten Teilchens
❓ Was passiert mit der Wellenlänge, wenn du die Frequenz des Erregers verdoppelst?

Sie halbiert sich. Die Geschwindigkeit \(c\) ist eine Eigenschaft des Mediums und bleibt gleich — mit \(\lambda = c/f\) bedeutet doppelte Frequenz halbe Wellenlänge. Probiere es in Animation 2: \(f = 1.0\;\text{Hz}\) ergibt \(\lambda = 2\;\text{m}\), \(f = 2.0\;\text{Hz}\) ergibt \(\lambda = 1\;\text{m}\).

✏️ Mini-Check
Multiple Choice

Der Erreger schwingt schneller (grösseres \(f\)), das Seil bleibt dasselbe. Was passiert mit \(\lambda\)?

  • \(\lambda\) wird grösser.
  • \(\lambda\) wird kleiner.
  • \(\lambda\) bleibt gleich.
Lösung anzeigen
B. \(c\) ist durch das Medium festgelegt; aus \(\lambda = c/f\) folgt: grösseres \(f\), kleineres \(\lambda\).
Lückentext

In einer Periode \(T\) rückt die Welle genau um eine weiter.

Lösung anzeigen
Wellenlänge \(\lambda\) — daraus folgt \(c = \lambda / T = \lambda \cdot f\).
Kurze Rechnung

Seilwelle mit \(c = 2\;\text{m/s}\) und \(f = 0.8\;\text{Hz}\). Wellenlänge?

Lösung anzeigen
\(\lambda = \dfrac{c}{f} = \dfrac{2\;\text{m/s}}{0.8\;\text{Hz}} = 2.5\;\text{m}\).
Transfer

Warum schwingen zwei benachbarte Teilchen der Kette fast, aber nicht genau gleich?

Lösungsweg anzeigen
Jedes Teilchen übernimmt die Bewegung seines Nachbarn mit einer kleinen Zeitverzögerung \(\Delta t = \Delta s / c\) — es schwingt gleich, aber phasenversetzt. Erst Teilchen im Abstand \(\lambda\) schwingen wieder exakt im Takt.

Die zwei Gesichter der Welle — \(y(s)\) und \(y(t)\)

Eine Welle hängt von zwei Variablen ab: vom Ort \(s\) und von der Zeit \(t\). Die vollständige Beschreibung ist eine Funktion von beiden:

\[ y(s, t) = A \cdot \sin\!\left( 2\pi \left( \frac{t}{T} - \frac{s}{\lambda} \right) \right) \]

Ein Diagramm kann aber nur eine Variable auf der Achse zeigen. Deshalb gibt es zwei «Gesichter» derselben Welle:

📘 Momentbild und Zeitdiagramm
  • Momentbild \(y(s)\): die Zeit ist eingefroren (\(t = \text{const.}\)) — ein Foto des ganzen Seils. Hier liest man die Wellenlänge \(\lambda\) ab (Berg zu Berg auf der \(s\)-Achse).
  • Zeitdiagramm \(y(t)\): der Ort ist festgehalten (\(s = \text{const.}\)) — der Mitschrieb eines Teilchens. Hier liest man die Periode \(T\) ab (Maximum zu Maximum auf der \(t\)-Achse).
⚠ Häufiger Fehler

Beide Diagramme zeigen eine Sinuskurve — aber die Achsen sind verschieden! Der Abstand zweier Berge ist im \(y(s)\)-Bild die Wellenlänge \(\lambda\) (in Metern), im \(y(t)\)-Bild die Periode \(T\) (in Sekunden). Wer die Achse nicht beachtet, verwechselt \(\lambda\) und \(T\) — prüfe immer zuerst: Orts- oder Zeitachse?

Animation 3 · Die zwei Gesichter der Welle

✓ Erkenntnis
1.20 s
1.5 m
stellt beide Regler auf \(t = 1.2\;\text{s}\), \(s = 1.5\;\text{m}\) zurück
\(\lambda\)2.0 m
\(T\)1.0 s
\(c = \lambda/T\)2.0 m/s
\(y(s,t)\)0.0 cm
📷 Momentbild \(y(s)\) bei festem \(t\) — hier wohnt \(\lambda\)
🖊 Punktbewegung \(y(t)\) bei festem \(s\) — hier wohnt \(T\)
🧊 3D-Ansicht: die Fläche \(y(s,t)\) — beide Diagramme sind Schnitte durch sie
Schnitt \(t = \text{const.}\) (Momentbild) Schnitt \(s = \text{const.}\) (Punktbewegung) markiertes Teilchen bei \((s, t)\)
❓ Du hast nur ein Foto (Momentbild) des Seils. Kannst du daraus die Geschwindigkeit c bestimmen?

Nein. Aus dem Foto liest du nur die Wellenlänge \(\lambda\) ab — eine reine Ortsinformation. Für \(c = \lambda / T\) brauchst du zusätzlich eine Zeitinformation: die Periode \(T\) oder die Frequenz \(f\), also z.B. den Mitschrieb \(y(t)\) eines Teilchens oder ein zweites Foto kurz danach.

✏️ Mini-Check
Multiple Choice

Im Momentbild \(y(s)\) liest man direkt ab:

  • die Periode \(T\)
  • die Wellenlänge \(\lambda\)
  • die Frequenz \(f\)
Lösung anzeigen
B. Das Momentbild hat eine Ortsachse — der Abstand zweier Berge ist \(\lambda\). \(T\) und \(f\) stecken im Zeitdiagramm.
Lückentext

Im \(y(t)\)-Diagramm eines Teilchens ist der Abstand zweier Maxima die .

Lösung anzeigen
Periode(ndauer) \(T\) — auf der Zeitachse in Sekunden.
Kurze Rechnung

Momentbild: Bergabstand \(2.5\;\text{m}\). Zeitdiagramm: Maxima-Abstand \(0.5\;\text{s}\). Wie gross ist \(c\)?

Lösung anzeigen
\(c = \dfrac{\lambda}{T} = \dfrac{2.5\;\text{m}}{0.5\;\text{s}} = 5\;\text{m/s}\).
Transfer

Warum sehen \(y(s)\) und \(y(t)\) gleich aus (beides Sinuskurven), obwohl sie Verschiedenes zeigen?

Lösungsweg anzeigen
Beide sind Schnitte durch dieselbe Fläche \(y(s,t) = A\sin\big(2\pi(t/T - s/\lambda)\big)\): schneidet man bei festem \(t\), bleibt ein Sinus in \(s\) mit räumlicher Periode \(\lambda\); schneidet man bei festem \(s\), ein Sinus in \(t\) mit zeitlicher Periode \(T\).

Reflexion am Seilende

Was passiert, wenn der Puls am Ende des Seils ankommt? Das hängt davon ab, wie das Ende befestigt ist — genau wie beim Seil an der Türklinke (fest) oder an einem lose gleitenden Ring (los):

📘 Festes und loses Ende
  • Festes Ende (Seil an der Wand): Das Ende kann nicht ausweichen. Der Puls wird mit Umkehrung reflektiert — ein Berg kommt als Tal zurück. Bei der Feder gilt: Eine Verdichtung kommt als Verdichtung zurück.
  • Loses Ende (Seilende gleitet frei auf einem Stab): Das Ende schwingt voll mit — sogar doppelt so weit. Der Puls wird ohne Umkehrung reflektiert — ein Berg kommt als Berg zurück. Bei der Feder: Eine Verdichtung kommt als Verdünnung zurück.

Animation 4 · Reflexion am festen und am losen Ende

✓ Erkenntnis
2.5 m/s
6.0 m
1.00
Seillänge 8 m · der Puls läuft hin und zurück
Zeit \(t\)0.00 s
RegelBerg kommt als Tal zurück
📷 Momentbild \(y(s)\) — Reflexion bei \(s = 8\;\text{m}\)
🖊 Mitschrieb \(y(t)\) des gewählten Teilchens
✏️ Mini-Check
Multiple Choice

Ein Wellenberg trifft auf ein festes Seilende. Er kommt zurück als …

  • Berg
  • Tal
  • gar nicht — er wird verschluckt
Lösung anzeigen
B. Am festen Ende wird mit Umkehrung reflektiert: Berg wird Tal. (Am losen Ende käme er als Berg zurück.)
Lückentext

Am losen Ende wird der Puls Umkehrung reflektiert.

Lösung anzeigen
ohne — ein Berg bleibt ein Berg.
Kurze Rechnung

Ein Puls läuft ein \(8\;\text{m}\) langes Seil hin und zurück (\(c = 4\;\text{m/s}\)). Wie lange braucht er?

Lösung anzeigen
\(t = \dfrac{2\,L}{c} = \dfrac{2 \cdot 8\;\text{m}}{4\;\text{m/s}} = 4\;\text{s}\).
Transfer

Du rufst gegen eine Felswand und hörst ein Echo. Was entspricht hier dem «Seil», was dem «festen Ende»?

Lösungsweg anzeigen
Die Luft ist das Medium («Seil»), die harte Felswand das feste Ende: Die Schallwelle (longitudinal) wird dort reflektiert und läuft zurück — eine Verdichtung kommt als Verdichtung zurück, darum klingt das Echo wie der Ruf.

Zwei Störungen treffen sich — Superposition

Schicken zwei Personen je einen Puls von beiden Seilenden los, laufen die Pulse aufeinander zu. Beim Treffen gilt das Superpositionsprinzip: Die Auslenkungen addieren sich in jedem Punkt — und danach laufen beide Pulse unverändert weiter, als wäre nichts gewesen.

Animation 5 · Zwei Störungen laufen aufeinander zu

✓ Erkenntnis
4.0 m
1.00
Puls 1: 6 cm von links · Puls 2: 5 cm von rechts · \(c = 2.0\;\text{m/s}\)
\(y_1\) am Teilchen0.0 cm
\(y_2\) am Teilchen0.0 cm
Summe \(y_1 + y_2\)0.0 cm
📷 Momentbild — Einzelpulse gestrichelt, Summe rot
Puls 1 (von links) Puls 2 (von rechts) Summe (tatsächliche Seilform)
🖊 Mitschrieb \(y(t)\) des gewählten Teilchens
❓ Löschen sich Berg und Tal beim Treffen dauerhaft aus?

Nein — nur im Treffmoment ist die Auslenkung (fast) überall null. Die Energie der Pulse steckt in diesem Moment vollständig in der Bewegung der Teilchen: sie haben gerade dann ihre grösste Geschwindigkeit. Deshalb laufen beide Pulse danach unverändert weiter. Wellen durchdringen sich ungestört — sonst könnten sich zwei Stimmen im selben Raum gegenseitig zerstören.

✏️ Mini-Check
Multiple Choice

Ein Berg (6 cm) trifft auf ein gleich breites Tal (6 cm). Was gilt im Treffmoment?

  • Auslenkung 12 cm
  • Auslenkung 0 cm
  • Die Pulse vernichten sich dauerhaft.
Lösung anzeigen
B. \(6\;\text{cm} + (-6\;\text{cm}) = 0\;\text{cm}\) — aber nur im Treffmoment. Danach laufen beide Pulse unverändert weiter.
Lückentext

Beim Durchdringen zweier Wellen sich die Auslenkungen.

Lösung anzeigen
addieren — punktweise, mit Vorzeichen (Superpositionsprinzip).
Kurze Rechnung

Zwei gleichgerichtete Pulse mit \(6\;\text{cm}\) und \(4\;\text{cm}\) überlagern sich genau. Auslenkung im Treffmoment?

Lösung anzeigen
\(y = 6\;\text{cm} + 4\;\text{cm} = 10\;\text{cm}\) (konstruktive Überlagerung).
Transfer

In einem Raum sprechen zwei Personen gleichzeitig. Warum «zerstören» sich die Schallwellen nicht gegenseitig?

Lösungsweg anzeigen
Wegen der Superposition durchdringen sich Wellen ungestört: Am Ohr addieren sich die Druckschwankungen nur momentan, danach läuft jede Welle unverändert weiter — man hört beide Stimmen.

Laufend oder stehend?

Jetzt kombinieren wir Reflexion und Superposition: Eine harmonische Welle läuft nach rechts, ihre reflektierte Gegenwelle läuft nach links — beide dauernd, beide mit gleicher Frequenz und Amplitude. Die Überlagerung ergibt etwas Neues: eine stehende Welle. Das Muster wandert nicht mehr; stattdessen gibt es Punkte, die immer ruhen (Knoten), und Punkte, die maximal schwingen (Bäuche, mit Amplitude \(2A\)).

Animation 6 · Laufend oder stehend?

✓ Erkenntnis
1.00 Hz
1.50 m
1.00
\(c = 2.0\;\text{m/s}\) · Amplitude je Welle \(A = 3\;\text{cm}\)
\(\lambda = c/f\)2.00 m
Knotenabstand \(\lambda/2\)1.00 m
Amplitude am Teilchen3.0 cm
📷 Momentbild — Einzelwellen gestrichelt, Summe rot
hinlaufende Welle rücklaufende Welle Summe (tatsächliche Seilform) Knoten (K)
🖊 Mitschrieb \(y(t)\) des gewählten Teilchens
✏️ Mini-Check
Multiple Choice

Woran erkennt man eine stehende Welle?

  • Das Muster wandert mit \(c\) nach rechts.
  • Knoten und Bäuche bleiben am Ort.
  • Alle Teilchen ruhen dauerhaft.
Lösung anzeigen
B. Das Muster wandert nicht: Knoten ruhen immer, Bäuche schwingen am Ort mit maximaler Amplitude.
Lückentext

Der Abstand zweier benachbarter Knoten beträgt .

Lösung anzeigen
eine halbe Wellenlänge \(\lambda/2\).
Kurze Rechnung

Bei einer stehenden Welle misst du den Knotenabstand \(0.75\;\text{m}\). Wellenlänge?

Lösung anzeigen
\(\lambda = 2 \cdot 0.75\;\text{m} = 1.5\;\text{m}\).
Transfer

Jede Einzelwelle hat die Amplitude \(A\). Mit welcher Amplitude schwingt ein Teilchen am Bauch — und warum?

Lösungsweg anzeigen
Mit \(2A\): Am Bauch kommen hin- und rücklaufende Welle immer in Phase an, die Auslenkungen addieren sich dort maximal (konstruktiv). Am Knoten kommen sie immer gegenphasig an — Summe null.

Stehende Wellen am eingespannten Seil — die Gitarrensaite

Spannt man ein Seil oder Gummiband an beiden Enden fest ein, sind beide Enden feste Enden — dort muss ein Knoten sitzen. Eine stehende Welle «passt» dann nur, wenn zwischen die Enden ein ganzzahliges Vielfaches von halben Wellenlängen passt. Genau das passiert auf jeder Gitarrensaite.

🔷 Herleitung — welche Wellenlängen passen?

Bedingung: Knoten an beiden Enden, also muss die Länge \(L\) ein Vielfaches des Knotenabstands \(\lambda/2\) sein:

\[ L = n \cdot \frac{\lambda_n}{2}, \qquad n = 1, 2, 3, \ldots \]

Aufgelöst nach der Wellenlänge und — mit \(f = c/\lambda\) — nach der Frequenz:

\[ \lambda_n = \frac{2L}{n} \qquad\qquad f_n = \frac{c}{\lambda_n} = n \cdot \frac{c}{2L} \]

\(n = 1\) ist die Grundschwingung (Grundton), \(n = 2, 3, \ldots\) sind die Oberschwingungen (Obertöne) — ihre Frequenzen sind ganzzahlige Vielfache von \(f_1\).

Animation 7 · Eigenschwingungen der eingespannten Saite

✓ Erkenntnis
2.00 m
12 m/s
1.00
\(c = 12\;\text{m/s}\) (gespanntes Gummiband) · Animationstempo 1 = echte Frequenz \(f_n\)
\(\lambda_n = 2L/n\)4.00 m
\(f_n = n \cdot c/(2L)\)3.00 Hz
Bäuche / innere Knoten1 / 0
🎸 Eigenschwingung — Teilchen schwingen, Knoten ruhen
✏️ Mini-Check
Multiple Choice

Auf einer beidseitig eingespannten Saite passen nur Wellen mit …

  • beliebiger Wellenlänge
  • \(\lambda_n = 2L/n\)
  • immer genau \(\lambda = L\)
Lösung anzeigen
B. Beide Enden müssen Knoten sein: \(L = n \cdot \lambda_n / 2\), also \(\lambda_n = 2L/n\).
Lückentext

Die Eigenschwingung mit \(n = 1\) heisst .

Lösung anzeigen
Grundschwingung (Grundton) — sie hat einen einzigen Bauch in der Mitte.
Kurze Rechnung

Saite mit \(L = 0.6\;\text{m}\). Wellenlänge der Grundschwingung?

Lösung anzeigen
\(\lambda_1 = \dfrac{2L}{1} = 2 \cdot 0.6\;\text{m} = 1.2\;\text{m}\).
Transfer

Ein Gitarrist drückt die Saite genau in der Mitte ab und halbiert so \(L\). Was passiert mit dem Grundton?

Lösungsweg anzeigen
Aus \(f_1 = \dfrac{c}{2L}\) folgt: halbes \(L\) ergibt das doppelte \(f_1\) — der Ton klingt eine Oktave höher. (Genau das ist der Bund in der Mitte des Gitarrenhalses, der 12. Bund.)

Aufgaben

🟠 A1Ablesen — \(\lambda\) und \(T\) aus den Animationen

Stelle Animation 2 auf \(f = 1.0\;\text{Hz}\) (das Seil hat \(c = 2.0\;\text{m/s}\)).

  1. Lies im Momentbild die Wellenlänge \(\lambda\) ab (Doppelpfeil).
  2. Lies im Mitschrieb \(y(t)\) die Periode \(T\) ab.
  3. Prüfe mit den abgelesenen Werten die Wellengleichung \(c = \lambda \cdot f\).
🟢 Lösung
  1. Der Doppelpfeil (Berg zu Berg) zeigt \(\lambda = 2.0\;\text{m}\) — das bestätigt die Live-Anzeige \(\lambda = c/f = 2.0/1.0 = 2.0\;\text{m}\).
  2. Zwei Maxima im \(y(t)\)-Bild liegen \(T = 1.0\;\text{s}\) auseinander (\(T = 1/f\)).
  3. Probe: \(\lambda \cdot f = 2.0\;\text{m} \cdot 1.0\;\text{Hz} = 2.0\;\text{m/s} = c\) — stimmt.
🟠 A2Wellenlänge einer Seilwelle

Auf einem gespannten Seil laufen Wellen mit \(c = 2.4\;\text{m/s}\). Die Hand am Seilende schwingt mit \(f = 0.8\;\text{Hz}\). Berechne die Wellenlänge \(\lambda\) und die Periode \(T\).

🟢 Lösung

Ansatz: Wellengleichung \(c = \lambda \cdot f\), aufgelöst nach \(\lambda\):

\[ \lambda = \frac{c}{f} = \frac{2.4\;\text{m/s}}{0.8\;\text{Hz}} = 3.0\;\text{m} \]

Periode:

\[ T = \frac{1}{f} = \frac{1}{0.8\;\text{Hz}} = 1.25\;\text{s} \]
🟠 A3Momentbild und Zeitdiagramm auseinanderhalten

Von einer Seilwelle liegen zwei Diagramme vor: Im Momentbild \(y(s)\) liegen zwei benachbarte Berge \(4.0\;\text{m}\) auseinander. Im Zeitdiagramm \(y(t)\) eines Teilchens folgen zwei Maxima im Abstand \(0.5\;\text{s}\).

  1. Welche Grösse liest man aus welchem Diagramm ab? Bestimme sie.
  2. Berechne die Frequenz \(f\).
  3. Berechne die Ausbreitungsgeschwindigkeit \(c\).
🟢 Lösung
  1. Das Momentbild hat eine Ortsachse: Bergabstand = Wellenlänge \(\lambda = 4.0\;\text{m}\). Das Zeitdiagramm hat eine Zeitachse: Maxima-Abstand = Periode \(T = 0.5\;\text{s}\).
  2. Aus \(f = \dfrac{1}{T}\): \[ f = \frac{1}{0.5\;\text{s}} = 2.0\;\text{Hz} \]
  3. Aus der Wellengleichung \(c = \lambda \cdot f\): \[ c = 4.0\;\text{m} \cdot 2.0\;\text{Hz} = 8.0\;\text{m/s} \]
🟠 A4Reflexion vorhersagen

Ein Wellenberg mit \(5\;\text{cm}\) Auslenkung läuft auf das Seilende zu.

  1. Das Ende ist an einer Wand festgeknotet. Wie sieht der reflektierte Puls aus?
  2. Das Ende gleitet frei auf einem Stab. Wie sieht der reflektierte Puls jetzt aus?
  3. Auf einer Spiralfeder läuft eine Verdichtung auf ein festes Ende zu. Was kommt zurück?
🟢 Lösung
  1. Festes Ende: Reflexion mit Umkehrung — der Berg kommt als Tal mit \(5\;\text{cm}\) Auslenkung nach unten zurück (gleiche Form, gleiches Tempo).
  2. Loses Ende: Reflexion ohne Umkehrung — der Berg kommt als Berg zurück; im Moment der Reflexion schlägt das Ende bis \(10\;\text{cm}\) aus (Überlagerung von ankommendem und reflektiertem Puls).
  3. Am festen Ende kommt die Verdichtung als Verdichtung zurück (die Auslenkung der Windungen kehrt sich um, das Verdichtungsmuster bleibt) — überprüfbar in Animation 4 im Longitudinal-Modus.
🟠 A5Superposition konstruieren

Zwei gleich breite Pulse laufen aufeinander zu: von links ein Berg mit \(+6\;\text{cm}\), von rechts ein Puls mit \(-4\;\text{cm}\) (Tal). Im Treffmoment überlagern sie sich genau.

  1. Wie gross ist die Auslenkung in der Mitte im Treffmoment?
  2. Wie gross wäre sie, wenn der zweite Puls ein Berg mit \(+4\;\text{cm}\) wäre?
  3. Was beobachtet man kurz nach dem Treffen?
🟢 Lösung
  1. Ansatz: Superposition — Auslenkungen addieren sich mit Vorzeichen: \[ y = y_1 + y_2 = 6\;\text{cm} + (-4\;\text{cm}) = 2\;\text{cm} \] (destruktive Überlagerung).
  2. Gleichgerichtet: \[ y = 6\;\text{cm} + 4\;\text{cm} = 10\;\text{cm} \] (konstruktive Überlagerung).
  3. Beide Pulse laufen unverändert weiter (Form, Höhe, Geschwindigkeit) — Wellen durchdringen sich ungestört; die Addition galt nur im Treffmoment.
🟠 A6Gitarrensaite — Grundton und Obertöne

Auf der hohen e-Saite einer Gitarre (\(L = 0.65\;\text{m}\)) laufen Querwellen mit \(c = 429\;\text{m/s}\).

  1. Berechne \(\lambda_1\) und die Grundfrequenz \(f_1\).
  2. Berechne \(\lambda_2\) und \(f_2\) der ersten Oberschwingung.
  3. Wie gross ist \(f_3\)? Was haben die Obertöne mit dem Klang zu tun?
🟢 Lösung
  1. Ansatz: \(\lambda_n = \dfrac{2L}{n}\) und \(f_n = n \cdot \dfrac{c}{2L}\). \[ \lambda_1 = \frac{2 \cdot 0.65\;\text{m}}{1} = 1.3\;\text{m} \] \[ f_1 = \frac{429\;\text{m/s}}{2 \cdot 0.65\;\text{m}} = 330\;\text{Hz} \] Das ist der Ton e¹.
  2. \[ \lambda_2 = \frac{2 \cdot 0.65\;\text{m}}{2} = 0.65\;\text{m}, \qquad f_2 = 2 \cdot 330\;\text{Hz} = 660\;\text{Hz} \]
  3. \[ f_3 = 3 \cdot 330\;\text{Hz} = 990\;\text{Hz} \] Eine angezupfte Saite schwingt in mehreren Moden gleichzeitig; das Mischverhältnis der Obertöne bestimmt die Klangfarbe — deshalb klingen Gitarre und Geige beim selben Grundton verschieden.

Zusammenfassung

ExperimentBeobachtungFormel / Regel
Puls im SeilStörung wandert, Teilchen bleibtLaufzeit \(t = s/c\)
Erreger erzeugt WelleNachbarn schwingen phasenversetzt\(\lambda = c/f\), \(\;T = 1/f\)
Momentbild \(y(s)\)Foto des Seils, Zeit eingefrorenBergabstand = \(\lambda\) (in m)
Zeitdiagramm \(y(t)\)Mitschrieb eines TeilchensMaxima-Abstand = \(T\) (in s)
Reflexionfestes Ende: Berg wird Tal · loses Ende: Berg bleibt Bergmit / ohne Umkehrung
SuperpositionPulse durchdringen sich ungestört\(y_{\text{ges}} = y_1 + y_2\)
Stehende WelleKnoten ruhen, Bäuche schwingen mit \(2A\)Knotenabstand \(= \lambda/2\)
Eingespannte Saitenur bestimmte Wellenlängen passen\(\lambda_n = \dfrac{2L}{n}\), \(\;f_n = n \cdot \dfrac{c}{2L}\)

Kernpunkte

Momentbild und Zeitdiagramm zeigen dieselbe Welle aus zwei Blickwinkeln: Das Foto \(y(s)\) verrät die Wellenlänge \(\lambda\), der Mitschrieb \(y(t)\) die Periode \(T\) — und beides verbindet die Wellengleichung \(c = \lambda \cdot f = \lambda / T\). Prüfe darum bei jedem Wellendiagramm zuerst die Achse: Ort oder Zeit?