4.4 Statik von Festkörpern
Gleichgewicht von Kräften und Drehmomenten an ausgedehnten, ruhenden Körpern — von der Wippe bis zum Kragträger.
- den Begriff «Kraft» definieren und als Vektor darstellen
- das Drehmoment einer Kraft definieren und Anwendungsgebiete nennen
- die wesentlichen Kräfte, die auf einen Festkörper im Gleichgewicht wirken, aufzählen und charakterisieren (Schwerkraft, Auflagerkraft, Reibung)
- die Gesamtheit der auf einen Körper wirkenden Kräfte darstellen und daraus die resultierende Kraft bestimmen
- das statische Gleichgewicht eines Körpers definieren (Gleichgewicht der Momente und der Kräfte) und anhand verschiedener Beispiele auf der horizontalen und schiefen Ebene aufzeigen
Gebraucht werden hier das Umstellen von Gleichungen und die Winkelfunktionen samt Bogenmass — beides steht auf 0.1.
🎯 Lernziele — das kann ich nach dieser Seite
- Ich kann den Begriff Kraft definieren und Kräfte als Vektoren darstellen.
- Ich kann das Drehmoment \(M=F\cdot r\) berechnen und Anwendungen nennen.
- Ich kann die wesentlichen Kräfte am Festkörper aufzählen und charakterisieren.
- Ich kann mehrere Kräfte grafisch und rechnerisch zur Resultierenden zusammensetzen.
- Ich kann das Kräfte- und das Momentengleichgewicht auf waagrechter und schiefer Ebene anwenden.
- Ich kann das Hebelgesetz anwenden und die Auflagerkräfte eines Balkens auf zwei Stützen bestimmen.
Einstieg — die Wippe auf dem Spielplatz
Zwei Kinder sitzen auf einer Wippe. Damit sie schön auf und ab schaukeln können, muss die Wippe ungefähr im Gleichgewicht sein. Sitzt ein schweres Kind innen, näher zur Mitte, kann es ein leichtes Kind weiter aussen ausgleichen — jeder kennt das Spiel intuitiv. Aber nach welcher Regel genau?
In den bisherigen Kapiteln (Kinematik, Dynamik, Energie) haben wir Körper meist auf einen einzigen Massepunkt reduziert. In der Statik ist das nicht mehr möglich: Es kommt darauf an, wo eine Kraft an einem ausgedehnten Körper angreift. Eine Kraft nahe der Drehachse wirkt anders als dieselbe Kraft weit aussen. Diese Drehwirkung ist der zentrale neue Begriff dieses Kapitels.
Eine erste Annäherung: Die Wippe steht still, wenn die Drehwirkung links gleich der Drehwirkung rechts ist. Die Drehwirkung ist offenbar das Produkt aus Gewichtskraft und Abstand zur Drehachse. Für das linke Kind \(25\;\text{kg}\) in \(1.5\;\text{m}\) ergibt das
\[ M_{\text{links}} = m_1 \cdot g \cdot r_1 = 25 \cdot 9.81 \cdot 1.5 \approx 368\;\text{Nm.} \]Genau diese Grösse — Kraft mal Abstand — heisst Drehmoment. Auf dieser Themenseite lernst du, Kräfte als Vektoren zu behandeln, sie zur resultierenden Kraft zusammenzusetzen, das Drehmoment zu berechnen und schliesslich die beiden Bedingungen für das statische Gleichgewicht anzuwenden — auf der waagrechten Wippe ebenso wie auf der schiefen Ebene.
✏️ Mini-Check
Damit eine Wippe im Gleichgewicht ist, muss gelten:
- beide Massen sind gleich
- beide Produkte aus Kraft und Hebelarm sind gleich
- beide Abstände sind gleich
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Im Gleichgewicht ist die Summe der null.
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Ein Kind drückt links mit \(F_1 = 300\;\text{N}\) im Abstand \(r_1 = 1.5\;\text{m}\). Welches Drehmoment?
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Ein Kind (\(25\;\text{kg}\)) sitzt \(1.5\;\text{m}\) von der Achse. Wo muss ein \(30\;\text{kg}\)-Kind sitzen, damit Gleichgewicht herrscht?
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Grundbegriffe
Eine Kraft \(\vec{F}\) ist eine vektorielle Grösse: Sie ist durch Betrag und Richtung vollständig beschrieben. SI-Einheit ist das Newton (\(1\;\text{N} = 1\;\text{kg}\cdot\text{m/s}^2\)).
Neu in der Statik: Zusätzlich kommt es auf den Angriffspunkt an. Die Gerade durch den Kraftvektor heisst Wirkungslinie. Für einen starren Körper gilt: Eine Kraft darf entlang ihrer Wirkungslinie verschoben werden, ohne dass sich ihre Wirkung ändert — quer dazu jedoch nicht.
In Komponenten bezüglich eines \(x\)-\(y\)-Systems, mit dem Winkel \(\varphi\) zur positiven \(x\)-Achse:
\[ F_x = F \cdot \cos\varphi, \qquad F_y = F \cdot \sin\varphi \]An einem ruhenden Festkörper treten typischerweise diese Kräfte auf:
| Kraft | Symbol | Richtung / Angriff |
|---|---|---|
| Schwer- bzw. Gewichtskraft | \(\vec{F}_G\) | senkrecht nach unten, greift am Schwerpunkt an; \(F_G = m \cdot g\) |
| Auflager- bzw. Normalkraft | \(\vec{F}_N\) | senkrecht zur Auflagefläche, von der Unterlage weg |
| Reibungskraft (Haftreibung) | \(\vec{F}_R\) | entlang der Fläche, der drohenden Bewegung entgegen; \(F_R \le \mu_H \cdot F_N\) |
| Seil- bzw. Zugkraft | \(\vec{F}_S\) | stets entlang des Seils, vom Körper weg |
Greifen mehrere Kräfte an einem Körper an, lassen sie sich zu einer einzigen resultierenden Kraft \(\vec{F}_R\) zusammenfassen — der Vektorsumme:
\[ \vec{F}_R = \vec{F}_1 + \vec{F}_2 + \dots = \sum_i \vec{F}_i \]Grafisch durch Aneinanderhängen der Pfeile (oder das Kräfteparallelogramm), rechnerisch komponentenweise: \(F_{R,x} = \sum F_{i,x}\) und \(F_{R,y} = \sum F_{i,y}\).
Das Drehmoment \(M\) beschreibt die Drehwirkung einer Kraft um eine Drehachse \(D\). Es ist das Produkt aus Kraft und wirksamem Hebelarm \(r\) (dem senkrechten Abstand zwischen Drehachse und Wirkungslinie):
\[ M = F \cdot r = F \cdot l \cdot \sin\alpha \]Dabei ist \(l\) die Distanz von der Drehachse zum Angriffspunkt und \(\alpha\) der Winkel zwischen Hebelarm und Kraft. SI-Einheit: Newtonmeter (Nm). Vorzeichen: Drehung im Gegenuhrzeigersinn positiv, im Uhrzeigersinn negativ. Die Drehwirkung ist maximal bei \(\alpha = 90^\circ\) und null, wenn die Kraft auf die Drehachse zeigt.
Ein Körper befindet sich im statischen Gleichgewicht, wenn er weder beschleunigt noch zu rotieren beginnt. Dafür müssen zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein:
\[ \sum_i \vec{F}_i = \vec{0} \qquad \text{und} \qquad \sum_i M_i = 0 \]Die Kräftebedingung zerfällt komponentenweise in \(\sum F_x = 0\) und \(\sum F_y = 0\). Die Drehachse für die Momentenbedingung darf frei gewählt werden — geschickt wählt man sie dort, wo eine unbekannte Kraft angreift, damit diese im Momentenansatz wegfällt.
✏️ Mini-Check
Ein starrer Körper ist im Gleichgewicht, wenn …
- nur die Summe der Kräfte null ist
- Summe der Kräfte und Summe der Momente null sind
- er sich gleichförmig dreht
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Das Drehmoment ist das Produkt aus Kraft und .
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Kraft \(20\;\text{N}\), Hebelarm \(0.4\;\text{m}\). Welches Drehmoment?
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Warum lässt sich eine Tür am Griff (weit von den Angeln) leichter öffnen als nahe den Angeln?
Lösungsweg anzeigen
Kraft als Vektor — Zerlegung in Komponenten
Bevor wir Kräfte addieren oder Drehmomente berechnen, müssen wir eine Kraft sicher in ihre \(x\)- und \(y\)-Komponente zerlegen können. Der Winkel \(\varphi\) wird stets relativ zur positiven \(x\)-Achse gemessen; mit \(F_x = F\cos\varphi\) und \(F_y = F\sin\varphi\) ergeben sich die Komponenten von selbst — inklusive Vorzeichen.
✏️ Mini-Check
Eine Kraft wirkt waagrecht (\(0°\) zur Horizontalen). Ihre senkrechte Komponente ist …
- maximal
- null
- gleich \(F\)
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Die waagrechte Komponente ist \(F_x = F \cdot\) des Winkels.
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\(F = 100\;\text{N}\) unter \(\varphi = 30°\). Komponenten? (\(\cos 30° \approx 0.87\), \(\sin 30° = 0.5\))
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Eine Kraft hat die Komponenten \(F_x = 3\;\text{N}\) und \(F_y = 4\;\text{N}\). Wie gross ist ihr Betrag?
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Resultierende mehrerer Kräfte
Wirken zwei Kräfte an demselben Punkt, ist ihre resultierende Kraft die Vektorsumme. Grafisch hängt man den zweiten Pfeil an die Spitze des ersten (Spitze-an-Fuss); der Pfeil vom Anfang zum Ende ist die Resultierende. Bei genau zwei Kräften erhält man dieselbe Resultierende über das Kräfteparallelogramm.
✏️ Mini-Check
Zwei gleich grosse Kräfte wirken in genau entgegengesetzte Richtung. Die Resultierende ist …
- doppelt so gross
- null
- gleich gross wie eine Kraft
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Kräfte werden addiert (Parallelogramm).
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Zwei Kräfte \(6\;\text{N}\) und \(8\;\text{N}\) wirken senkrecht zueinander. Resultierende?
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Zwei Kräfte (je \(5\;\text{N}\)) schliessen einen Winkel von \(60°\) ein. Wie gross ist die Resultierende? (\(\cos 60° = 0.5\))
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Kräftegleichgewicht am Punkt — eine Last an zwei Seilen
Greifen alle Kräfte an einem einzigen Punkt an, genügt für das Gleichgewicht die Kräftebedingung \(\sum\vec{F} = \vec{0}\). Ein klassisches Beispiel: eine Last hängt an zwei schräg nach oben führenden Seilen. Auf den Knotenpunkt wirken drei Kräfte — die Gewichtskraft nach unten und die beiden Seilkräfte. Im Gleichgewicht bilden sie ein geschlossenes Kräftedreieck.
Das linke Seil bilde mit der Horizontalen den Winkel \(\alpha\), das rechte den Winkel \(\beta\). Mit \(\sum F_x = 0\) und \(\sum F_y = 0\) am Knoten folgt nach kurzer Rechnung:
\[ S_1 = F_G \cdot \frac{\cos\beta}{\sin(\alpha+\beta)}, \qquad S_2 = F_G \cdot \frac{\cos\alpha}{\sin(\alpha+\beta)} \]Je flacher die Seile (kleine Winkel), desto grösser werden die Seilkräfte — sie können das Gewicht der Last um ein Vielfaches übersteigen. Genau das spürt man, wenn eine Wäscheleine durchhängt: ein straff gespanntes Seil steht unter enormer Zugkraft.
❓ Was passiert mit der nötigen Kraft, wenn du beim Schraubenschlüssel den Hebelarm verdoppelst?
Sie halbiert sich. Da \(M=F\cdot r\) und das benötigte Drehmoment gleich bleibt, kommst du mit einem längeren Schlüssel mit der halben Kraft aus — das Prinzip jeder Hebelverlängerung.
✏️ Mini-Check
An einem Knoten herrscht Kräftegleichgewicht, wenn …
- die grösste Kraft wegfällt
- die Summe aller Kräfte null ist
- alle Kräfte gleich gross sind
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Die drei Kräfte am Knoten bilden ein geschlossenes .
Lösung anzeigen
Eine Last \(100\;\text{N}\) hängt symmetrisch an zwei Seilen, jedes unter \(60°\) zur Waagrechten. Welche vertikale Komponente trägt jedes Seil?
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Was passiert mit den Seilkräften, wenn man die beiden Seile fast waagrecht spannt?
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Drehmoment einer Kraft
Um eine festsitzende Schraube zu lösen, setzt man einen Schraubenschlüssel an und zieht möglichst weit aussen — und möglichst senkrecht zum Hebel. Beides erhöht die Drehwirkung. Quantitativ ist das Drehmoment \(M = F \cdot l \cdot \sin\alpha\): Es wächst mit der Kraft, mit der Hebellänge und ist am grössten, wenn die Kraft rechtwinklig zum Hebel steht.
Es gibt zwei gleichwertige Sichtweisen auf den Faktor \(\sin\alpha\). Erstens: Der wirksame Hebelarm \(r = l\cdot\sin\alpha\) ist der senkrechte Abstand der Wirkungslinie zur Drehachse — dann ist \(M = F\cdot r\). Zweitens: Nur die zum Hebel senkrechte Kraftkomponente \(F_\perp = F\cdot\sin\alpha\) dreht; die Komponente entlang des Hebels zeigt auf die Achse und erzeugt kein Moment — dann ist \(M = F_\perp \cdot l\). Beide Wege liefern \(M = F\cdot l\cdot\sin\alpha\).
✏️ Mini-Check
Das Drehmoment ist maximal, wenn die Kraft zum Hebel im Winkel … steht.
- \(0°\)
- \(45°\)
- \(90°\)
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Das Drehmoment ist \(M = F \cdot l \cdot\) des Angriffswinkels.
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\(F = 20\;\text{N}\), \(l = 0.5\;\text{m}\), \(\alpha = 90°\). Drehmoment?
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Dieselbe Kraft greift am selben Hebel einmal unter \(90°\), einmal unter \(30°\) an. Wie verhalten sich die Momente? (\(\sin 30° = 0.5\))
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Hebelgesetz — Gleichgewicht der Momente
Am zweiarmigen Hebel (oder an der Balkenwaage) sind zwei Drehmomente im Spiel. Im Gleichgewicht heben sie sich auf: das Moment links ist gleich gross wie das Moment rechts, aber entgegengesetzt gerichtet. Das ist der einfachste Fall der Momentenbedingung \(\sum M = 0\) und heisst Hebelgesetz:
\[ F_1 \cdot r_1 = F_2 \cdot r_2 \]Eine kleine Kraft an einem langen Hebelarm gleicht eine grosse Kraft an einem kurzen Hebelarm aus — das Prinzip hinter Brechstange, Nussknacker und Balkenwaage.
✏️ Mini-Check
Ein langer Kraftarm bedeutet …
- man braucht mehr Kraft
- man braucht weniger Kraft
- keinen Unterschied
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Das Hebelgesetz lautet \(F_1 r_1 = F_2 \cdot\) .
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\(F_1 = 40\;\text{N}\) bei \(r_1 = 0.30\;\text{m}\). Welche Kraft \(F_2\) hält bei \(r_2 = 0.60\;\text{m}\) das Gleichgewicht?
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Schubkarre: Last \(600\;\text{N}\) im Abstand \(0.4\;\text{m}\) vom Rad, die Griffe sind \(1.2\;\text{m}\) vom Rad entfernt. Welche Hubkraft an den Griffen?
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Gleichgewicht am starren Körper — Auflagerkräfte
Liegt ein Balken oder Brett auf zwei Stützen, teilen sich diese die Last auf. Wo genau die Last steht, entscheidet über die Verteilung: Steht sie direkt über einer Stütze, trägt diese fast alles. In der Mitte tragen beide gleich viel. Für ausgedehnte Körper mit Kräften an verschiedenen Punkten braucht man beide Gleichgewichtsbedingungen — und beginnt mit Vorteil bei der Momentengleichung.
Ein (als masselos angenommener) Balken der Stützweite \(L\) trägt eine Last \(F_G\) im Abstand \(x\) von der linken Stütze \(A\). Wir wählen die Drehachse bei \(A\) — dann fällt \(F_A\) aus der Momentengleichung heraus:
\[ \sum M_A = 0:\quad F_B \cdot L - F_G \cdot x = 0 \;\Rightarrow\; F_B = F_G \cdot \frac{x}{L} \] \[ \sum F_y = 0:\quad F_A + F_B - F_G = 0 \;\Rightarrow\; F_A = F_G \cdot \Big(1 - \frac{x}{L}\Big) \]✏️ Mini-Check
Eine Last sitzt näher bei Stütze A. Welche Stütze trägt mehr?
- Stütze A
- Stütze B
- beide gleich
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Die Summe der beiden Auflagerkräfte ist gleich der .
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Balken \(4\;\text{m}\), Last \(200\;\text{N}\) genau in der Mitte. Auflagerkräfte?
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Eine Last \(300\;\text{N}\) sitzt \(1\;\text{m}\) von A entfernt auf einem \(4\;\text{m}\)-Balken. Wie gross sind die Auflagerkräfte?
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Gleichgewicht auf der schiefen Ebene
Auf einer schiefen Ebene zerlegt man die Gewichtskraft sinnvollerweise in eine Komponente senkrecht zur Ebene und eine parallel zur Ebene. Die senkrechte Komponente wird von der Normalkraft der Unterlage aufgenommen, die parallele Komponente (die Hangabtriebskraft) zieht den Körper hangabwärts. Bleibt der Körper liegen, muss die Haftreibung diese Hangabtriebskraft gerade ausgleichen.
Bei einem Neigungswinkel \(\alpha\) gilt für die Gewichtskraft \(F_G = m\cdot g\):
\[ F_H = F_G \cdot \sin\alpha \quad(\text{hangabwärts}), \qquad F_N = F_G \cdot \cos\alpha \quad(\text{senkrecht zur Ebene}) \]Der Körper bleibt in Ruhe, solange die Haftreibung ausreicht: \(F_H \le \mu_H \cdot F_N\). Setzt man die Ausdrücke ein, kürzt sich \(F_G\) heraus, und es folgt die einfache Haftbedingung \(\tan\alpha \le \mu_H\). Der Grenzwinkel hängt also nur vom Reibungskoeffizienten ab, nicht von der Masse.
Die Normalkraft auf der schiefen Ebene ist nicht gleich der Gewichtskraft, sondern nur deren senkrechte Komponente \(F_N = F_G\cos\alpha\). Nur in der waagrechten Ebene (\(\alpha = 0\)) gilt \(F_N = F_G\). Mit zunehmender Neigung wird die Unterlage entlastet, während die Hangabtriebskraft wächst.
❓ Was passiert mit einem Körper, wenn die Summe aller Kräfte null ist, die Summe der Momente aber nicht?
Er beschleunigt nicht in seinem Schwerpunkt, beginnt aber zu drehen. Für vollständiges Gleichgewicht müssen sowohl die Kraftsumme als auch die Momentensumme verschwinden.
✏️ Mini-Check
Ein Klotz auf der schiefen Ebene rutscht, sobald …
- \(\tan\alpha > \mu_H\)
- \(\alpha > 90°\)
- die Masse gross genug ist
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Der Grenzwinkel hängt nur von der ab, nicht von der Masse.
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\(\mu_H = 0.6\). Ab welchem Neigungswinkel rutscht der Klotz?
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Ein Klotz (\(m = 3\;\text{kg}\)) liegt auf einer Ebene mit \(\alpha = 20°\), \(\mu_H = 0.5\). Haftet oder rutscht er? (\(\tan 20° \approx 0.36\))
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Aufgaben
Stelle in Animation 1 eine Kraft mit Betrag \(F = 120\;\text{N}\) und Winkel \(\varphi = 35^\circ\) ein. Bestimme die Komponenten \(F_x\) und \(F_y\) und prüfe sie mit der Formel.
Mit \(F_x = F\cos\varphi\) und \(F_y = F\sin\varphi\):
\[ F_x = 120 \cdot \cos 35^\circ \approx 98.3\;\text{N}, \qquad F_y = 120 \cdot \sin 35^\circ \approx 68.8\;\text{N} \]Zur Kontrolle: \(\sqrt{F_x^2 + F_y^2} = \sqrt{98.3^2 + 68.8^2} \approx 120\;\text{N}\) — der ursprüngliche Betrag. Die Animation bestätigt die Werte.
An einem Schraubenschlüssel der Länge \(l = 18\;\text{cm}\) wird mit \(F = 250\;\text{N}\) gezogen.
- Welches Drehmoment wirkt, wenn die Kraft senkrecht zum Schlüssel angreift?
- Welches Drehmoment bleibt, wenn die Kraft nur unter \(\alpha = 60^\circ\) zum Schlüssel angreift?
- Bei welchem Winkel ist die Drehwirkung am grössten?
- Senkrecht ist \(\alpha = 90^\circ\), also \(\sin\alpha = 1\): \[ M = F\cdot l = 250 \cdot 0.18 = 45.0\;\text{Nm} \]
- Mit \(\alpha = 60^\circ\): \[ M = 250 \cdot 0.18 \cdot \sin 60^\circ \approx 39.0\;\text{Nm} \]
- Am grössten bei \(\alpha = 90^\circ\), weil \(\sin\alpha\) dort maximal (\(=1\)) ist. Darum setzt man den Schlüssel möglichst rechtwinklig an.
Auf einer Wippe sitzt links ein Kind mit \(m_1 = 30\;\text{kg}\) im Abstand \(r_1 = 1.4\;\text{m}\) zur Drehachse. Rechts setzt sich ein Kind mit \(m_2 = 24\;\text{kg}\).
- Berechne das Drehmoment des linken Kindes.
- In welchem Abstand \(r_2\) muss sich das rechte Kind setzen, damit die Wippe im Gleichgewicht ist?
- Ein Erwachsener mit \(70\;\text{kg}\) möchte das linke Kind ausgleichen, sich aber höchstens \(0.8\;\text{m}\) von der Achse entfernt setzen. Geht das aus? Begründe.
- \[ M_1 = m_1 \cdot g \cdot r_1 = 30 \cdot 9.81 \cdot 1.4 \approx 412\;\text{Nm} \]
- Hebelgesetz \(M_1 = M_2\), also \(m_1 r_1 = m_2 r_2\): \[ r_2 = \frac{m_1 \cdot r_1}{m_2} = \frac{30 \cdot 1.4}{24} = 1.75\;\text{m} \] Das leichtere Kind muss weiter aussen sitzen.
- Bei \(r = 0.8\;\text{m}\) erzeugt der Erwachsene das Moment \(m\,g\,r = 70 \cdot 9.81 \cdot 0.8 \approx 549\;\text{Nm}\). Das ist mehr als die nötigen \(412\;\text{Nm}\) — er gleicht das Kind also mühelos aus und müsste sich für exaktes Gleichgewicht sogar näher zur Achse setzen, nämlich auf \(r = \frac{30\cdot 1.4}{70} = 0.6\;\text{m}\).
Eine Lampe mit Masse \(m = 8\;\text{kg}\) hängt an einem Knotenpunkt, von dem zwei Drähte schräg nach oben zu zwei Befestigungspunkten an der Decke führen. Der linke Draht bildet mit der Horizontalen \(\alpha = 30^\circ\), der rechte \(\beta = 60^\circ\).
- Wie gross ist die Gewichtskraft der Lampe?
- Berechne die beiden Drahtkräfte \(S_1\) und \(S_2\).
- Welcher Draht ist stärker belastet — und warum der mit dem grösseren Winkel zur Horizontalen?
- \[ F_G = m \cdot g = 8 \cdot 9.81 \approx 78.5\;\text{N} \]
- Mit \(\alpha + \beta = 90^\circ\), also \(\sin(\alpha+\beta) = 1\): \[ S_1 = F_G \cdot \frac{\cos\beta}{\sin(\alpha+\beta)} = 78.5 \cdot \cos 60^\circ \approx 39.2\;\text{N} \] \[ S_2 = F_G \cdot \frac{\cos\alpha}{\sin(\alpha+\beta)} = 78.5 \cdot \cos 30^\circ \approx 68.0\;\text{N} \]
- Der rechte Draht (\(\beta = 60^\circ\)) ist mit \(68.0\;\text{N}\) stärker belastet. Je steiler ein Draht steht, desto grösser ist sein vertikaler Kraftanteil — er trägt also mehr vom Gewicht. Animation 3 bestätigt das mit \(\alpha = 30^\circ\) und \(\beta = 60^\circ\).
Ein \(4.0\;\text{m}\) langes Gerüstbrett liegt auf zwei Böcken \(A\) (links) und \(B\) (rechts) an seinen Enden. Das Brett selbst wiegt \(15\;\text{kg}\); sein Schwerpunkt liegt in der Mitte. Ein Arbeiter mit \(80\;\text{kg}\) steht \(1.0\;\text{m}\) vom linken Bock \(A\) entfernt.
- Bestimme alle wirkenden Kräfte und berechne die beiden Auflagerkräfte \(F_A\) und \(F_B\).
- Kontrolliere dein Ergebnis über die Kräftebedingung \(\sum F_y = 0\).
- Zwei Lasten wirken nach unten: das Brettgewicht \(F_{G,\text{Brett}} = 15 \cdot 9.81 \approx 147\;\text{N}\) bei \(2.0\;\text{m}\) und das Arbeitergewicht \(F_{G,\text{A}} = 80 \cdot 9.81 \approx 785\;\text{N}\) bei \(1.0\;\text{m}\). Drehachse bei \(A\), \(\sum M_A = 0\): \[ F_B \cdot 4.0 - 785 \cdot 1.0 - 147 \cdot 2.0 = 0 \] \[ F_B = \frac{785 + 294}{4.0} = \frac{1079}{4.0} \approx 270\;\text{N} \] Die Gesamtlast ist \(F_{ges} = 147 + 785 = 932\;\text{N}\), also: \[ F_A = F_{ges} - F_B = 932 - 270 \approx 662\;\text{N} \]
- Kontrolle: \(F_A + F_B = 662 + 270 = 932\;\text{N} = F_{ges}\). ✓ Der linke Bock trägt mehr, weil der Arbeiter näher bei ihm steht.
Eine Kiste mit \(m = 25\;\text{kg}\) steht auf einer Rampe, die unter \(\alpha = 20^\circ\) geneigt ist. Der Haftreibungskoeffizient zwischen Kiste und Rampe beträgt \(\mu_H = 0.30\).
- Berechne Hangabtriebskraft \(F_H\) und Normalkraft \(F_N\).
- Bleibt die Kiste von allein liegen, oder rutscht sie?
- Bis zu welchem Neigungswinkel bleibt die Kiste höchstens liegen?
- Mit \(F_G = 25 \cdot 9.81 \approx 245\;\text{N}\): \[ F_H = F_G \sin 20^\circ \approx 83.9\;\text{N}, \qquad F_N = F_G \cos 20^\circ \approx 230\;\text{N} \]
- Maximale Haftreibung: \(\mu_H \cdot F_N = 0.30 \cdot 230 \approx 69.1\;\text{N}\). Das ist kleiner als die Hangabtriebskraft \(83.9\;\text{N}\) — die Reibung reicht nicht aus, die Kiste rutscht.
- Grenzfall \(F_H = \mu_H F_N\) führt auf \(\tan\alpha = \mu_H\): \[ \alpha_{\max} = \arctan(0.30) \approx 16.7^\circ \] Oberhalb von rund \(16.7^\circ\) rutscht die Kiste — bei \(20^\circ\) ist das bereits der Fall, in Übereinstimmung mit Teil 2.
Zusammenfassung
| Konzept | Formel | Einheit | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Kraftkomponenten | \(F_x = F\cos\varphi,\; F_y = F\sin\varphi\) | N | Zerlegung, Kräftebilanz |
| Resultierende | \(\vec{F}_R = \sum \vec{F}_i\) | N | mehrere Kräfte zusammenfassen |
| Drehmoment | \(M = F\cdot r = F\cdot l\cdot\sin\alpha\) | Nm | Hebel, Schraubenschlüssel |
| Hebelgesetz | \(F_1\cdot r_1 = F_2\cdot r_2\) | — | Wippe, Balkenwaage |
| Kräftegleichgewicht | \(\sum F_x = 0,\; \sum F_y = 0\) | — | Knoten, Seile |
| Momentengleichgewicht | \(\sum M = 0\) | — | Auflagerkräfte, starrer Körper |
| Schiefe Ebene | \(F_H = F_G\sin\alpha,\; F_N = F_G\cos\alpha\) | N | Rampe, Haftbedingung \(\tan\alpha \le \mu_H\) |
Kernpunkte
- Eine Kraft hat Betrag, Richtung und Angriffspunkt — sie ist ein Vektor.
- Kräfte werden in Komponenten zerlegt: \(F_x=F\cos\varphi\), \(F_y=F\sin\varphi\).
- Mehrere Kräfte fasst man zur Resultierenden \(\vec{F}_R=\sum\vec{F}_i\) zusammen.
- Drehmoment: \(M=F\cdot r\) — Drehwirkung aus Kraft und senkrechtem Hebelarm.
- Hebelgesetz: \(F_1 r_1=F_2 r_2\).
- Statisches Gleichgewicht: \(\sum F_x=0\), \(\sum F_y=0\) und \(\sum M=0\).
- Auf der schiefen Ebene hält ein Körper, solange \(\tan\alpha\le\mu_H\).
Clips
Clips zu den Animationen — was jede Animation zeigt
Transkripte — der gesprochene Text zum Mitlesen
Die Komponenten eines Kraftvektors: Kosinus, Sinus und das Vorzeichen
- 0:00In der Animation zeigt ein Kraftpfeil schräg ins Achsenkreuz. Wie viel davon wirkt waagrecht, wie viel senkrecht? Das sagen die beiden Komponenten.
- 0:09Stell achtzig Newton und fünfunddreissig Grad ein. Der Winkel wird von der positiven x-Achse aus gemessen. Der Kosinus liefert die waagrechte Komponente, fünfundsechzig Komma fünf Newton, der Sinus die senkrechte, fünfundvierzig Komma neun Newton.
- 0:25Zusammen sind die Komponenten nicht hundertelf Newton, denn sie stehen senkrecht aufeinander. Nach Pythagoras ergeben sie wieder achtzig Newton: Die Zerlegung verliert nichts.
- 0:35Bei neunzig Grad zeigt die Kraft senkrecht nach oben. Der Kosinus ist null, also gibt es keine waagrechte Komponente; die ganze Kraft steckt in F y. Bei null Grad ist es umgekehrt.
- 0:48Bei hundertfünfzig Grad zeigt der Pfeil nach links oben. Der Kosinus wird negativ, und F x ist minus neunundsechzig Komma drei Newton. Das Minus bedeutet: Die Komponente zeigt nach links. Die Formel liefert das Vorzeichen von selbst.
- 1:02Merke: Der Kosinus liefert die x-Komponente, der Sinus die y-Komponente, samt Vorzeichen. Und über Pythagoras kommst du zurück zum Betrag.
Zwei Kräfte, eine Resultierende: warum 70 N und 60 N selten 130 N ergeben
- 0:00In der Animation ziehen zwei Kräfte am selben Punkt, siebzig und sechzig Newton. Wie gross ist die Kraft, die zusammen wirkt? Hundertdreissig Newton ist es nur selten.
- 0:11Stell siebzig Newton unter zwanzig Grad und sechzig Newton unter fünfundneunzig Grad ein. Ergänzt zum Parallelogramm, ist die Diagonale die Resultierende: hundertdrei Komma drei Newton, deutlich weniger als hundertdreissig.
- 0:25Rechnerisch addierst du die Komponenten einzeln: waagrecht sechzig Komma fünf Newton, senkrecht dreiundachtzig Komma sieben Newton. Pythagoras liefert wieder hundertdrei Komma drei Newton.
- 0:36Dreh die zweite Kraft ebenfalls auf zwanzig Grad. Jetzt ziehen beide in dieselbe Richtung, und die Beträge addieren sich: hundertdreissig Newton. Das ist das Grösste, was diese beiden Kräfte zusammen schaffen.
- 0:49Bei zweihundert Grad zieht die zweite Kraft genau entgegen. Die Beträge subtrahieren sich: Übrig bleiben zehn Newton, in Richtung der grösseren Kraft. Sind beide gleich gross, heben sie sich ganz auf.
- 1:00Merke: Kräfte addiert man als Pfeile. Die Resultierende liegt zwischen der Differenz und der Summe der Beträge, je nach Winkel zwischen den Kräften.
Last an zwei Seilen: flache Seile ziehen stärker als die Last selbst
- 0:00In der Animation hängt eine Last an zwei schrägen Seilen. Jedes Seil trägt einen Teil, so scheint es. Doch unter Umständen zieht ein Seil stärker, als die ganze Last wiegt.
- 0:10Acht Kilogramm wiegen achtundsiebzig Komma fünf Newton. Hängen sie an zwei Seilen unter fünfundvierzig Grad, zieht jedes Seil mit fünfundfünfzig Komma fünf Newton, weniger als die Last.
- 0:21Am Knoten ist die Summe aller Kräfte null. Hängst du die drei Pfeile aneinander, schliessen sie sich zum Dreieck. Die senkrechten Anteile der beiden Seile tragen zusammen genau die Last.
- 0:32Stell beide Winkel auf fünfzehn Grad. Jetzt zieht jedes Seil mit hunderteinundfünfzig Komma sechs Newton, fast doppelt so viel wie die Last. Flache Seile haben nur einen kleinen senkrechten Anteil, also braucht es eine grosse Seilkraft.
- 0:46Mit dreissig Grad links und sechzig Grad rechts sind die Seilkräfte verschieden: links neununddreissig Komma zwei, rechts achtundsechzig Newton. Das steilere Seil trägt den grösseren Teil der Last.
- 0:57Merke: Im Gleichgewicht schliessen sich die Kräfte zum Dreieck. Je flacher die Seile, desto grösser die Seilkräfte, bis weit über die Last hinaus.
Drehmoment und Angriffswinkel: nur der senkrechte Anteil dreht
- 0:00In der Animation greift eine Kraft am Ende eines Hebels an. Dieselbe Kraft dreht mal stark und mal kaum. Entscheidend ist der Winkel, unter dem sie angreift.
- 0:09Stell zweihundert Newton, einen Hebel von null Komma fünf Metern und dreissig Grad ein. Der wirksame Hebelarm ist der senkrechte Abstand von der Drehachse zur Wirkungslinie: null Komma zwei fünf Meter. Kraft mal Hebelarm ergibt fünfzig Newtonmeter.
- 0:25Der zweite Weg: Zerleg die Kraft. Nur der Anteil senkrecht zum Hebel dreht, hier hundert Newton, an null Komma fünf Metern. Wieder fünfzig Newtonmeter: Beide Sichtweisen sind gleichwertig.
- 0:37Bei neunzig Grad steht die Kraft senkrecht zum Hebel. Der Sinus ist eins, der wirksame Hebelarm ist der ganze Hebel, und das Moment ist am grössten: hundert Newtonmeter, doppelt so viel wie bei dreissig Grad.
- 0:49Der Anteil längs des Hebels zeigt auf die Drehachse und dreht nicht. Je flacher die Kraft angreift, desto mehr steckt in diesem Anteil. Zeigt sie ganz längs des Hebels, bei null Grad, ist das Moment null.
- 1:01Merke: Das Drehmoment ist Kraft mal wirksamer Hebelarm. Am grössten ist es, wenn die Kraft senkrecht zum Hebel steht, null, wenn sie längs des Hebels zeigt.
Zweiarmiger Hebel: gleiche Momente statt gleicher Kräfte
- 0:00In der Animation zieht links eine feste Kraft von vierzig Newton, null Komma drei Meter von der Drehachse entfernt. Rechts stellst du Kraft und Abstand selbst ein. Wann steht der Hebel waagrecht?
- 0:12Stell rechts vierundzwanzig Newton im Abstand null Komma fünf Meter ein. Der Hebel steht waagrecht, obwohl rechts viel weniger Kraft zieht. Es zählen die Momente: Links sind es zwölf Newtonmeter, rechts ebenfalls zwölf Newtonmeter.
- 0:27Schieb die Kraft auf null Komma zwei fünf Meter, also den halben Abstand. Das rechte Moment sinkt auf sechs Newtonmeter, nur noch die Hälfte. Links überwiegt, der Hebel senkt sich links.
- 0:38Verdopple nun die Kraft auf achtundvierzig Newton. Das Moment ist wieder zwölf Newtonmeter, der Hebel steht waagrecht. Halber Abstand braucht doppelte Kraft.
- 0:47Das Hebelgesetz sagt voraus, welche Kraft bei null Komma vier Metern nötig ist: vierzig Newton mal null Komma drei Meter, geteilt durch null Komma vier Meter, ergibt dreissig Newton. Stell es ein: Der Hebel steht waagrecht. Je länger der Kraftarm, desto weniger Kraft brauchst du.
- 1:05Merke: Der Hebel ist im Gleichgewicht, wenn die Momente auf beiden Seiten gleich gross sind: Kraft mal Kraftarm gleich Last mal Lastarm. Ein langer Kraftarm spart Kraft.
Die Last wandert: warum die nähere Stütze mehr trägt
- 0:00In der Animation liegt ein Balken von vier Metern auf zwei Stützen, A und B. Eine Last von sechshundert Newton lässt sich verschieben. Wie teilen die beiden Stützen die Last unter sich auf? Den Balken selbst nehmen wir als masselos an.
- 0:13Setz die Last auf eins Komma fünf Meter von A. Wähle die Drehachse in A: Die Auflagerkraft in A hat dort keinen Hebelarm und fällt aus der Momentengleichung. Für B bleiben sechshundert Newton mal eins Komma fünf Meter, geteilt durch vier Meter: zweihundertfünfundzwanzig Newton.
- 0:30Den Rest trägt A. Aus der Kräftesumme folgt: sechshundert minus zweihundertfünfundzwanzig, also dreihundertfünfundsiebzig Newton. A liegt näher an der Last und trägt den grösseren Anteil.
- 0:42Schieb die Last auf drei Meter, näher zu B. Jetzt trägt B vierhundertfünfzig Newton und A nur noch hundertfünfzig. Die Summe bleibt sechshundert Newton.
- 0:51Steht die Last direkt über B, trägt B die ganzen sechshundert Newton, A trägt nichts mehr. Und genau in der Mitte, bei zwei Metern, trägt jede Stütze die Hälfte, dreihundert Newton.
- 1:03Merke: Die Stütze, die näher an der Last liegt, trägt den grösseren Anteil. Zusammen tragen beide Stützen immer die ganze Last. Dafür braucht es beide Bedingungen: Die Summe der Kräfte und die Summe der Momente sind null.
Klotz auf der schiefen Ebene: der Winkel entscheidet, nicht die Masse
- 0:00Ein Klotz von zwanzig Kilogramm liegt auf einer schiefen Ebene. Neigung, Reibung und Masse stellst du ein. Wann bleibt er liegen, und wann rutscht er?
- 0:09Bei fünfundzwanzig Grad zerfällt die Gewichtskraft in zwei Teile. Die Hangabtriebskraft zieht mit zweiundachtzig Komma neun Newton hangabwärts. Die Normalkraft drückt mit hundertsiebenundsiebzig Komma acht Newton auf die Ebene, weniger als die ganze Gewichtskraft.
- 0:24Die Haftreibung schafft höchstens null Komma fünf mal die Normalkraft, achtundachtzig Komma neun Newton. Das reicht: Der Klotz haftet. Die Reibung wirkt dabei nur so stark wie nötig.
- 0:35Bei siebenundzwanzig Grad rutscht der Klotz. Der Tangens des Winkels, null Komma fünf eins null, ist grösser als der Reibungskoeffizient. Der Grenzwinkel liegt bei sechsundzwanzig Komma sechs Grad.
- 0:47Bei vierzig Kilogramm verdoppeln sich Hangabtrieb und Haftreibung, der Klotz rutscht weiter. Die Masse kürzt sich heraus: Es zählt nur, ob der Tangens des Winkels den Reibungskoeffizienten übersteigt.
- 0:59Merke: Der Klotz haftet, solange der Tangens des Neigungswinkels höchstens so gross ist wie der Haftreibungskoeffizient. Die Masse spielt keine Rolle.
Kräfte zerlegen und addieren: der Weg über die Komponenten
- 0:00Zwei Personen ziehen an derselben Kiste, jede in eine andere Richtung. Wie stark zieht es die Kiste — und wohin?
- 0:09Jede schräge Kraft lässt sich durch zwei senkrecht zueinander stehende Anteile ersetzen. Der Winkel zur waagrechten Achse liefert sie über Kosinus und Sinus.
- 0:19Aus den beiden Komponenten kommt man mit dem Satz des Pythagoras wieder zum Betrag der Kraft.
- 0:27Mehrere Kräfte fasst man zu einer einzigen zusammen — grafisch mit dem Kräfteparallelogramm, rechnerisch komponentenweise.
- 0:35Sechs Newton nach rechts und acht Newton nach oben ergeben zusammen nicht vierzehn, sondern zehn.
- 0:43Merke: Kräfte werden vektoriell addiert. Der sichere Weg führt über die Komponenten — dort ist es wieder gewöhnliches Rechnen.
Kräftegleichgewicht am Punkt: das geschlossene Krafteck
- 0:00Eine Lampe hängt an zwei schrägen Seilen. Je flacher die Seile gespannt sind, desto stärker ziehen sie — obwohl die Lampe gleich schwer bleibt.
- 0:09Greifen alle Kräfte an einem einzigen Punkt an, genügt eine Bedingung: Die Summe aller Kraftvektoren muss null sein.
- 0:17Zuerst wird freigeschnitten: Man denkt sich den Knoten allein und zeichnet jede Kraft ein, die auf ihn wirkt — hier die Gewichtskraft und die zwei Seilkräfte.
- 0:26Dann zerlegt man alles in waagrecht und senkrecht. Aus einer Vektorgleichung werden zwei gewöhnliche — genug für zwei unbekannte Seilkräfte.
- 0:34Grafisch heisst dasselbe: Hängt man die drei Pfeile aneinander, muss sich das Krafteck schliessen. Bei hundert Newton Last ziehen zwei Seile unter dreissig Grad mit je hundert Newton — unter zehn Grad schon mit zweihundertachtundachtzig.
- 0:48Merke: Am Punkt genügt die Kräftebedingung. Freischneiden, in Achsen zerlegen, zwei Gleichungen aufstellen.
Drehmoment: warum der Griff weit von den Angeln sitzt
- 0:00Eine Tür lässt sich am Griff mühelos öffnen, direkt neben den Angeln fast gar nicht. Die Kraft ist dieselbe.
- 0:09Das Drehmoment beschreibt die Drehwirkung einer Kraft um eine Achse. Es ist das Produkt aus Kraft und Hebelarm und wird in Newtonmeter gemessen.
- 0:18Entscheidend ist nicht die Länge des Hebels, sondern der senkrechte Abstand von der Drehachse zur Wirkungslinie der Kraft.
- 0:26Greift die Kraft schräg an, zählt nur ihr senkrechter Anteil. Über den Winkel zwischen Hebel und Kraft kommt der Sinus ins Spiel.
- 0:34Dreihundert Newton in anderthalb Metern Abstand ergeben vierhundertfünfzig Newtonmeter. Dieselbe Kraft in dreissig Zentimetern nur neunzig.
- 0:43Merke: Drehmoment ist Kraft mal senkrechtem Abstand. Wer den Hebelarm verlängert, spart Kraft.
Das Hebelgesetz: leicht und weit aussen schlägt schwer und innen
- 0:00Auf der Wippe sitzt links ein Kind mit fünfundzwanzig Kilogramm. Ein schwereres Kind rechts bringt sie trotzdem ins Gleichgewicht — es muss nur näher zur Mitte.
- 0:09Ein drehbar gelagerter Körper bleibt in Ruhe, wenn sich die Drehmomente aufheben: linksdrehend gleich rechtsdrehend.
- 0:17Ausgeschrieben heisst das: Kraft mal Kraftarm gleich Last mal Lastarm.
- 0:25Fünfundzwanzig Kilogramm in anderthalb Metern erzeugen dreihundertachtundsechzig Newtonmeter. Ein Kind mit dreissig Kilogramm muss dafür auf ein Komma zwei fünf Meter rücken.
- 0:36Jedes Werkzeug mit langem Griff nutzt dasselbe Gesetz: Brechstange, Nussknacker, Schubkarre. Man spart Kraft und zahlt mit Weg.
- 0:44Merke: Im Gleichgewicht ist Kraft mal Kraftarm gleich Last mal Lastarm. Der Abstand zählt gleich stark wie die Kraft.
Zwei Bedingungen, zwei Auflagerkräfte: der Balken auf zwei Stützen
- 0:00Ein Brett liegt auf zwei Böcken, eine Last steht darauf. Wie viel trägt jeder Bock? Das hängt davon ab, wo die Last steht.
- 0:09Ein starrer Körper ruht nur, wenn er weder verschoben noch gedreht wird. Dafür müssen die Summe der Kräfte und die Summe der Momente null sein.
- 0:18Für die Momentenbedingung darf die Drehachse frei gewählt werden. Legt man sie in eine unbekannte Kraft, hat diese den Hebelarm null und fällt aus der Gleichung.
- 0:27Mit der Achse beim linken Auflager bleibt eine Gleichung für die rechte Kraft. Die linke folgt danach aus der Kräftebedingung.
- 0:35Vierhundert Newton stehen auf einem vier Meter weiten Balken, anderthalb Meter von links: Links werden zweihundertfünfzig Newton getragen, rechts hundertfünfzig.
- 0:45Merke: Beim ausgedehnten Körper gelten beide Bedingungen. Die Drehachse legt man dorthin, wo eine unbekannte Kraft angreift.
Haften und Gleiten: warum der erste Ruck der schwerste ist
- 0:00Eine schwere Kiste auf dem Boden: Der erste Ruck kostet Mühe, danach gleitet sie fast von allein weiter.
- 0:09Die Reibungskraft hängt nicht an der Auflagefläche, sondern an der Normalkraft und an den beteiligten Materialien.
- 0:17Solange der Körper ruht, passt sich die Haftreibung der Zugkraft genau an. Sie ist nie grösser als nötig — aber auch nie grösser als ihr Maximum.
- 0:26Wird das Maximum überschritten, ruckt der Körper los. Von da an wirkt die Gleitreibung, und die ist meist kleiner — deshalb wird es plötzlich leichter.
- 0:35Acht Kilogramm auf dem Boden drücken mit achtundsiebzig Komma fünf Newton. Bei einer Haftreibungszahl von null Komma sechs hält die Kiste bis siebenundvierzig Newton — danach genügen fünfunddreissig.
- 0:47Merke: Die Haftreibung passt sich an und hat ein Maximum. Die Gleitreibung ist kleiner und konstant.
Die schiefe Ebene: Gewichtskraft in zwei Richtungen zerlegt
- 0:00Eine Kiste auf einer Rampe: Bei kleinem Winkel bleibt sie liegen, ab einem bestimmten rutscht sie los. Was entscheidet darüber?
- 0:09Die Gewichtskraft zeigt senkrecht nach unten. Am Hang zerlegt man sie in eine Komponente längs der Ebene und eine senkrecht dazu.
- 0:18Über den Neigungswinkel kommen Sinus und Kosinus ins Spiel: der Hangabtrieb mit dem Sinus, die Normalkraft mit dem Kosinus.
- 0:25Gerutscht wird, sobald der Hangabtrieb die maximale Haftreibung übersteigt. Setzt man beide gleich, kürzen sich Masse und Erdbeschleunigung heraus.
- 0:35Dreissig Grad und eine Reibungszahl von null Komma eins: Die Beschleunigung hangabwärts beträgt vier Komma null sechs Meter je Sekundenquadrat.
- 0:44Merke: Am Hang wird die Gewichtskraft zerlegt. Der Sinus treibt hinunter, der Kosinus drückt auf die Ebene, und die Masse kürzt sich heraus.
Masse und Gewicht: was die Waage wirklich zeigt
- 0:00Die Packung wiegt ein Kilo, sagen wir. Physikalisch stecken darin zwei verschiedene Grössen.
- 0:09Die Masse sagt, wie viel Stoff im Körper steckt und wie träge er ist. Sie gehört zum Körper und ändert sich nicht, wenn er den Ort wechselt.
- 0:18Die Gewichtskraft ist die Kraft, mit der ein Himmelskörper an dieser Masse zieht. Sie ist Masse mal Ortsfaktor und wird in Newton gemessen.
- 0:26Auf dem Mond ist der Ortsfaktor nur ein Komma sechs zwei. Dieselbe Packung, ein Sechstel der Kraft — die Masse bleibt.
- 0:36Eine Küchenwaage misst die Kraft und rechnet mit dem Ortsfaktor der Erde in Kilogramm um. Auf dem Mond zeigte sie darum falsch.
- 0:44Die Einheit verrät, welche Grösse gemeint ist: Kilogramm ist Masse, Newton ist Kraft.
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