So arbeitest du mit diesem Leitprogramm
Du bestimmst das Tempo selbst, die Reihenfolge nicht. Die Schritte 1 bis 5 bauen aufeinander auf: Aus der Energieerhaltung folgt der Wirkungsgrad, daraus die Kette der Verluste, und erst damit lassen sich Brennstoffe und Wärmepumpen vergleichen. Die Schritte 7 und 8 handeln vom Gegenteil des Heizens — vom Aufhalten der Wärme.
- Einstiegsfrage zuerst beantworten. Schreib deine Vermutung auf, bevor du weiterliest. Eine notierte falsche Vermutung lernt sich besser als eine gelesene richtige.
- Clip anschauen. Jeder Schritt beginnt mit einem vertonten Erklärclip von rund einer Minute. Er ersetzt den Lehrtext nicht, sondern stellt die Frage, die der Text beantwortet.
- Simulation selbst bewegen. Wo ein Regler steht, gehört er gezogen. Achte darauf, welche Anzeige mitgeht und welche stehen bleibt — das ist meist der ganze Lerninhalt.
- Aufgaben selbst lösen, erst dann die Lösung aufklappen. Wer zuerst schaut, betrügt sich um den Lerneffekt.
- Kern zuerst, Vertiefung danach. Jede Aufgabe trägt ein Etikett: KERN bearbeiten alle, VERTIEFUNG ist für schnelle Lernende oder als Hausaufgabe gedacht. Wer nur die Kernaufgaben rechnet, kommt mit den angesetzten vier Lektionen aus.
- Selbstkontrolle abhaken, wenn der Schritt sitzt. Der Fortschritt bleibt auf diesem Gerät gespeichert.
- Gesamttest am Schluss unter Prüfungsbedingungen: 25 Minuten, Taschenrechner und Tabellenwerte.
Was du am Ende können musst
Den Wirkungsgrad berechnen, Wirkungsgrade in Serie multiplizieren, mit dem Heizwert die nötige Brennstoffmenge bestimmen und erklären, warum die Leistungszahl einer Wärmepumpe über eins liegen darf.
Energiequellen und Technologien nach Verfügbarkeit, Wirkungsgrad und Kohlendioxid vergleichen, die drei Formen des Wärmetransports unterscheiden und den Treibhauseffekt aus der unterschiedlichen Durchlässigkeit der Atmosphäre erklären.
Zwei Regeln, die in jedem Schritt gelten
Erstens: Energie wird nie verbraucht, nur umgewandelt. Wo eine Rechnung nicht aufgeht, fehlt ein Weg — meist die Abwärme.
Zweitens: Der Wirkungsgrad ist eine reine Zahl ohne Einheit und nie grösser als eins. Kommt etwas anderes heraus, wurden nicht alle zugeführten Energien gezählt — genau das ist der Fall bei der Wärmepumpe in Schritt 5.
Vortest: Was solltest du schon können?
Sechs kurze Aufgaben. Sie zeigen, ob Wärmemenge, Leistung und der Umgang mit Energieeinheiten sitzen.
Rechne alle sechs Aufgaben, bevor du eine einzige Lösung aufklappst.
V.1 Wie viel Wärme braucht \(1.0\,\mathrm{kg}\) Wasser, um sich um \(60\,\mathrm{K}\) zu erwärmen?
V.2 Ein Gerät gibt in \(10\,\mathrm{min}\) die Energie \(900\,\mathrm{kJ}\) ab. Wie gross ist seine Leistung?
V.3 Wie viele Megajoule sind \(5\,\mathrm{kWh}\)?
V.4 Ein Motor bekommt \(200\,\mathrm{MJ}\) und wandelt \(35\,\%\) davon in Bewegung um. Wie viel ist das?
V.5 Warum wird ein Elektromotor im Betrieb warm, obwohl er Bewegung erzeugen soll?
V.6 Ein Kilogramm trockenes Holz liefert \(15\,\mathrm{MJ}\). Wie viel Holz braucht es für \(60\,\mathrm{MJ}\)?
Alle Lösungen und die Auswertung anzeigen
V.1 Mit \(Q = m \cdot c \cdot \Delta T\) folgt
\[ Q = 1.0\,\mathrm{kg} \cdot 4182\,\frac{\mathrm{J}}{\mathrm{kg} \cdot \mathrm{K}} \cdot 60\,\mathrm{K} = 250.9\,\mathrm{kJ} \]
V.2 \(P = \dfrac{E}{t} = \dfrac{900\,000\,\mathrm{J}}{600\,\mathrm{s}} = 1500\,\mathrm{W}\).
V.3 \(5 \cdot 3.6\,\mathrm{MJ} = 18\,\mathrm{MJ}\).
V.4 \(0.35 \cdot 200\,\mathrm{MJ} = 70\,\mathrm{MJ}\) werden Bewegung; \(130\,\mathrm{MJ}\) bleiben als Abwärme.
V.5 In den Wicklungen und in den Lagern entsteht Reibung im weitesten Sinn — elektrischer Widerstand und mechanische Reibung. Der entsprechende Teil der zugeführten Energie wird nicht Bewegung, sondern Wärme. Verloren ist er nicht: Er heizt Motor und Umgebung.
V.6 \(m = \dfrac{60\,\mathrm{MJ}}{15\,\mathrm{MJ/kg}} = 4\,\mathrm{kg}\).
Auswertung. Fünf oder sechs richtig: Du kannst direkt mit Schritt 1 beginnen. Weniger als vier: Arbeite zuerst das Leitprogramm «Wärmemenge und Wärmebilanz» durch — dort stehen Wärmemenge, Leistung und die Energieeinheiten ausführlich.
| Fehler bei | Das schlägst du zuerst nach |
|---|---|
| V.1 | Leitprogramm «Wärmemenge», Schritt 4 |
| V.2, V.3 | Leitprogramm «Wärmemenge», Schritt 8 |
| V.4 | Schritt 2 hier — der Wirkungsgrad ist nichts anderes als dieser Anteil |
| V.5 | Schritt 1 hier — Energie wird umgewandelt, nicht verbraucht |
| V.6 | Schritt 4 hier — der Heizwert |
V.4 ist im Kern schon der Wirkungsgrad, V.6 schon der Heizwert. Wenn beides sitzt, geht es in diesem Leitprogramm vor allem darum, wohin der Rest verschwindet.
Energie wird umgewandelt, nicht verbraucht
Du begründest, warum bei jeder Umwandlung Wärme entsteht, und benennst, wohin die Energie geht, die als Nutzen fehlt.
Einstiegsfrage. Auf der Stromrechnung steht «Verbrauch». Was ist am Wort physikalisch falsch — und was passiert stattdessen? Notiere deine Vermutung.
Energie lässt sich weder erzeugen noch vernichten. Sie wechselt nur die Form: chemische Energie im Treibstoff wird Bewegung und Wärme, elektrische Energie wird Licht und Wärme, Lageenergie wird Bewegungsenergie und am Schluss wieder Wärme. Die Summe bleibt in jedem Schritt gleich.
Trotzdem hat das Wort «Verbrauch» einen wahren Kern. Was verbraucht wird, ist nicht die Menge, sondern die Brauchbarkeit: Am Ende jeder Kette steht Wärme bei Umgebungstemperatur, und die lässt sich nicht mehr nutzen. Man nennt das Energieentwertung.
Drei Sätze, die zusammengehören
Energieerhaltung. In einem abgeschlossenen System bleibt die Gesamtenergie konstant. Sie kann die Form wechseln, aber nicht verschwinden.
Entwertung. Bei jeder realen technischen Umwandlung wird ein Teil zu Wärme bei Umgebungstemperatur. Diese Wärme ist nicht weg, aber nicht mehr nutzbar.
Richtung. Jede Form lässt sich vollständig in Wärme umwandeln; umgekehrt kann eine Maschine, die dauernd im Kreis läuft, Wärme nie vollständig in Arbeit zurückverwandeln. Das ist der Kern des zweiten Hauptsatzes, und darum hat die Kette eine Richtung.
Merksatz
Energie wird nicht verbraucht, sondern umgewandelt und dabei entwertet. Was in einer Bilanz als Nutzen fehlt, ist nicht verschwunden — es ist Abwärme. Wer eine Energiebilanz aufstellt und auf weniger als hundert Prozent kommt, hat einen Weg übersehen.
A1.1 KERN Verfolge die Energie einer Taschenlampe von der Batterie bis in den Raum. Nenne jede Form, die dabei auftritt.
Lösung anzeigen
Chemische Energie in der Batterie → elektrische Energie im Draht → im Leuchtmittel teils Licht, teils Wärme → das Licht trifft auf Wände und Gegenstände und wird dort absorbiert, also ebenfalls Wärme. Am Schluss ist die ganze Batterieenergie Wärme bei Raumtemperatur. Die Summe war in jedem Schritt gleich; nur die Brauchbarkeit hat abgenommen.
A1.2 KERN Ein Elektroheizer wandelt praktisch die gesamte zugeführte Energie in Wärme um. Ist er damit das perfekte Gerät? Begründe.
Lösung anzeigen
Für sich betrachtet ja: Sein Wirkungsgrad liegt praktisch bei eins, weil Wärme genau das Gewünschte ist. Die Kette davor ist aber lang — im Kraftwerk wurde Wärme in Strom umgewandelt, und dabei ging der grössere Teil verloren. Und eine Wärmepumpe liefert mit derselben Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme (Schritt 5). Ein hoher Wirkungsgrad des einzelnen Geräts sagt also wenig über die ganze Kette.
A1.3 VERTIEFUNG Warum lässt sich Wärme nicht vollständig in Bewegung zurückverwandeln, Bewegung aber vollständig in Wärme?
Lösung anzeigen
Bewegung eines Körpers ist geordnet: Alle Teilchen laufen in dieselbe Richtung. Wärme ist ungeordnet: Die Teilchen bewegen sich in alle Richtungen zugleich. Ordnung lässt sich mühelos in Unordnung überführen — beim Bremsen geschieht genau das. Der umgekehrte Weg verlangt, aus zufälligem Gewimmel eine gemeinsame Richtung zu machen, und das gelingt nur teilweise. Wie viel höchstens, sagt der zweite Hauptsatz der Thermodynamik; für dieses Leitprogramm genügt die Richtung.
Der Wirkungsgrad
Du berechnest den Wirkungsgrad, stellst die Formel nach jeder Grösse um und ordnest typische Geräte der Grösse nach ein.
Einstiegsfrage. Ein Verbrennungsmotor soll den Wagen bewegen. Warum wird er dabei so heiss, dass er einen eigenen Kühler braucht? Notiere deine Vermutung.
Der Wirkungsgrad \(\eta\) sagt, welcher Anteil der zugeführten Energie als Nutzen ankommt:
\[ \eta = \frac{E_\text{nutz}}{E_\text{zu}} \le 1 \]
Er ist eine reine Zahl ohne Einheit und wird oft in Prozent angegeben. Was nicht Nutzen wird, verschwindet nicht — es verlässt das Gerät als Abwärme:
\[ E_\text{zu} = E_\text{nutz} + E_\text{verlust} \]
η = E_nutz / E_zu = 4.0 kWh / 10.0 kWh = 0.40
| Gerät | \(\eta\) | Nutzen |
|---|---|---|
| Glühlampe | rund \(0.05\) | Licht — der Rest ist Wärme |
| Verbrennungsmotor | rund \(0.30\) | Bewegung |
| LED-Lampe | rund \(0.40\) | Licht |
| Ölkessel | rund \(0.90\) | Wärme |
| Elektromotor | über \(0.90\) | Bewegung |
| Elektroheizer | rund \(1.00\) | Wärme — hier ist die Abwärme der Nutzen |
Beispiel — vollständig gerechnet
Ein Elektromotor nimmt \(2.5\,\mathrm{kWh}\) auf und gibt \(2.25\,\mathrm{kWh}\) als Bewegungsenergie ab. Wie gross sind Wirkungsgrad und Abwärme?
Ansatz.
\[ \eta = \frac{E_\text{nutz}}{E_\text{zu}} = \frac{2.25\,\mathrm{kWh}}{2.5\,\mathrm{kWh}} = 0.90 \]
Die Abwärme ist die Differenz, nicht ein weiterer Bruch:
\[ E_\text{verlust} = 2.5\,\mathrm{kWh} - 2.25\,\mathrm{kWh} = 0.25\,\mathrm{kWh} = 0.9\,\mathrm{MJ} \]
Kontrolle. \(0.90 + 0.10 = 1\): Die beiden Anteile ergänzen sich immer zu eins. Und \(0.25\,\mathrm{kWh}\) genügen, um gut ein Kilogramm Wasser um \(200\,\mathrm{K}\) zu erwärmen — darum braucht auch ein guter Motor Kühlung.
Merksatz
\(\eta = E_\text{nutz} / E_\text{zu}\) — eine reine Zahl, bei jeder realen Umwandlung kleiner als eins. Was Nutzen ist, hängt vom Zweck ab: Beim Heizer ist die Wärme der Nutzen, beim Motor der Verlust. Und der fehlende Anteil ist immer irgendwo als Wärme.
A2.1 KERN Ein Ölkessel nimmt \(30\,\mathrm{MJ}\) auf und gibt \(26\,\mathrm{MJ}\) als Wärme an das Heizwasser ab. Berechne Wirkungsgrad und Verlust.
Lösung anzeigen
\[ \eta = \frac{26\,\mathrm{MJ}}{30\,\mathrm{MJ}} = 0.867 \approx 87\,\% \]
Der Verlust beträgt \(30\,\mathrm{MJ} - 26\,\mathrm{MJ} = 4\,\mathrm{MJ}\). Er verlässt das Haus als warmes Abgas durch den Kamin.
A2.2 KERN Eine LED soll \(1.2\,\mathrm{kWh}\) Licht liefern. Wie viel elektrische Energie braucht sie bei \(\eta = 0.40\), und wie viel bräuchte eine Glühlampe mit \(\eta = 0.05\)?
Lösung anzeigen
Ansatz. Gesucht ist die zugeführte Energie, also die Formel umstellen:
\[ E_\text{zu} = \frac{E_\text{nutz}}{\eta} = \frac{1.2\,\mathrm{kWh}}{0.40} = 3.0\,\mathrm{kWh} \]
Die Glühlampe bräuchte \(1.2 / 0.05 = 24\,\mathrm{kWh}\) — das Achtfache. Beachte, dass der Wirkungsgrad hier im Nenner steht: Ein kleiner Wirkungsgrad macht die nötige Energie gross.
A2.3 VERTIEFUNG Im Winter heizt die Abwärme einer Glühlampe das Zimmer mit. Ist ihr schlechter Wirkungsgrad dann gar kein Nachteil?
Lösung anzeigen
Für die Energiebilanz des Zimmers stimmt das: Die Wärme fehlt der Heizung, die entsprechend weniger liefern muss. Wer mit Strom heizt, macht in dieser Rechnung tatsächlich keinen Verlust.
Drei Einschränkungen bleiben. Erstens gilt das nur in der Heizsaison — im Sommer muss die Wärme sogar weggekühlt werden. Zweitens ist Strom die hochwertigste Energieform; sie zum Heizen zu benutzen, ist Entwertung im grossen Stil (Schritt 1). Drittens liefert eine Wärmepumpe aus derselben Kilowattstunde ein Mehrfaches an Wärme (Schritt 5). Der Vergleich fällt also je nach Systemgrenze verschieden aus — und genau deshalb muss man sie immer angeben.
Verluste in Serie: warum sich Wirkungsgrade multiplizieren
Du berechnest den Gesamtwirkungsgrad einer Energiekette und begründest, warum er kleiner ist als jeder Einzelwert.
Einstiegsfrage. Drei Stufen mit je \(90\,\%\) hintereinander — wie viel bleibt am Schluss übrig? Schätze, bevor du rechnest.
Hängt eine zweite Stufe an der ersten, bekommt sie nur noch das, was die erste übrig gelassen hat. Ihre Prozente beziehen sich auf diesen Rest, nicht auf den Anfang. Darum werden Wirkungsgrade in Serie multipliziert:
\[ \eta_\text{ges} = \eta_1 \cdot \eta_2 \cdot \ldots \cdot \eta_n \]
Das Ergebnis ist immer kleiner als der kleinste Einzelwert — und die Kette wird umso teurer, je länger sie ist.
η_ges = 0.90³ = 0.729
Beispiel — vollständig gerechnet
Ein Elektroauto: Kraftwerk \(\eta_1 = 0.45\), Netz und Ladung \(\eta_2 = 0.94\), Motor \(\eta_3 = 0.90\).
\[ \eta_\text{ges} = 0.45 \cdot 0.94 \cdot 0.90 = 0.381 \approx 38\,\% \]
Zum Vergleich ein Benziner mit Motor \(0.30\) und Getriebe \(0.95\): \(\eta_\text{ges} = 0.285 \approx 29\,\%\). Beide Ketten beginnen bei einer anderen Energieform, und beide verlieren am meisten dort, wo Wärme in Bewegung umgewandelt wird — im Kraftwerk beziehungsweise im Motor.
Merksatz
In Serie werden Wirkungsgrade multipliziert, nicht addiert und nicht gemittelt. Das Ergebnis ist immer kleiner als der kleinste Einzelwert. Drei sehr gute Stufen mit je \(90\,\%\) ergeben zusammen nur noch \(73\,\%\).
A3.1 KERN Ein Velo-Antrieb hat die Stufen \(0.95\), \(0.90\) und \(0.85\). Berechne den Gesamtwirkungsgrad.
Lösung anzeigen
\(\eta_\text{ges} = 0.95 \cdot 0.90 \cdot 0.85 = 0.727 \approx 73\,\%\). Das Ergebnis liegt unter dem kleinsten Einzelwert \(0.85\) — eine gute Kontrolle für jede solche Rechnung.
A3.2 KERN Eine Kette aus zwei Stufen hat den Gesamtwirkungsgrad \(0.60\); die erste Stufe hat \(0.75\). Wie gross ist die zweite?
Lösung anzeigen
Aus \(\eta_\text{ges} = \eta_1 \cdot \eta_2\) folgt \(\eta_2 = \dfrac{0.60}{0.75} = 0.80\). Die Probe bestätigt: \(0.75 \cdot 0.80 = 0.60\).
A3.3 VERTIEFUNG Ein Hersteller wirbt damit, den Wirkungsgrad einer Stufe von \(0.80\) auf \(0.88\) verbessert zu haben. Die Kette hat drei Stufen (\(0.80\), \(0.90\), \(0.95\)). Um wie viel steigt der Gesamtwirkungsgrad — absolut und relativ?
Lösung anzeigen
Vorher: \(0.80 \cdot 0.90 \cdot 0.95 = 0.684\). Nachher: \(0.88 \cdot 0.90 \cdot 0.95 = 0.752\).
Absolut sind das \(6.8\) Prozentpunkte, relativ \(0.752 / 0.684 - 1 = 9.9\,\%\) mehr. Beide Angaben sind richtig und klingen verschieden gut — darum gehört in eine solche Aussage immer dazu, welche der beiden gemeint ist. Beachte auch: Es lohnt sich fast immer, die schlechteste Stufe zu verbessern.
Der Heizwert: vom Brennstoff zur Wärme
Du rechnest mit dem Heizwert in beide Richtungen und bestimmst die Brennstoffmenge für einen gegebenen Wärmebedarf.
Einstiegsfrage. Ein Liter Heizöl und ein Kilogramm Holz — was liefert mehr Wärme, und ungefähr um welchen Faktor? Schätze zuerst.
Der Heizwert \(H\) sagt, wie viel Energie ein Kilogramm eines Brennstoffs beim Verbrennen freisetzt. Damit wird aus einer Menge eine Energie:
\[ Q_\text{zu} = m \cdot H \]
Nutzbar ist davon nur der Anteil \(\eta\). Ist die Menge gesucht, steht der Wirkungsgrad im Nenner:
\[ Q_\text{nutz} = \eta \cdot m \cdot H \qquad\Longrightarrow\qquad m = \frac{Q_\text{nutz}}{\eta \cdot H} \]
| Brennstoff | \(H\) in \(\mathrm{MJ/kg}\) | in \(\mathrm{kWh/kg}\) | bemerkt |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 50.0 | 13.9 | der höchste Wert der Reihe |
| Propan | 46.4 | 12.9 | Campingkocher, Gasgrill |
| Heizöl | 42.6 | 11.8 | \(1\,\mathrm{l}\) wiegt \(0.84\,\mathrm{kg}\) |
| Benzin | 43.0 | 11.9 | \(1\,\mathrm{l}\) wiegt \(0.75\,\mathrm{kg}\) |
| Steinkohle | 30.0 | 8.3 | |
| Holzpellets | 17.0 | 4.7 | gepresst und getrocknet |
| Buchenholz, trocken | 15.0 | 4.2 | feucht deutlich weniger |
Q = m · H = 10 kg · 42.6 MJ/kg = 426 MJ; das erwärmt 1834 kg Wasser um 50 K
Beispiel — vollständig gerechnet
Ein Haus braucht im Jahr \(20\,000\,\mathrm{kWh}\) Heizwärme. Wie viel Erdgas verbraucht ein Kessel mit \(\eta = 0.95\)?
Ansatz. Zuerst die Energie in Joule, dann die Menge:
\[ Q_\text{nutz} = 20\,000\,\mathrm{kWh} \cdot 3.6\,\frac{\mathrm{MJ}}{\mathrm{kWh}} = 72\,000\,\mathrm{MJ} = 72\,\mathrm{GJ} \]
\[ m = \frac{Q_\text{nutz}}{\eta \cdot H} = \frac{72\,000\,\mathrm{MJ}}{0.95 \cdot 50.0\,\tfrac{\mathrm{MJ}}{\mathrm{kg}}} = 1516\,\mathrm{kg} \]
Kontrolle. Ohne Verluste wären es \(1440\,\mathrm{kg}\) — der Kessel kostet also rund \(76\,\mathrm{kg}\) Gas im Jahr. Und die Einheiten kürzen sich zu Kilogramm, was die Rechnung bestätigt.
Merksatz
\(Q = m \cdot H\) macht aus einer Brennstoffmenge eine Energie; \(m = Q / (\eta \cdot H)\) macht aus einem Wärmebedarf eine Menge. Heizwerte gelten je Kilogramm, Liter oder Kubikmeter — es lohnt sich, vor dem Einsetzen hinzuschauen, welche Bezugsgrösse die Tabelle meint.
A4.1 KERN Wie viel Wärme liefert die vollständige Verbrennung von \(25\,\mathrm{kg}\) Holzpellets?
Lösung anzeigen
\(Q = m \cdot H = 25\,\mathrm{kg} \cdot 17.0\,\tfrac{\mathrm{MJ}}{\mathrm{kg}} = 425\,\mathrm{MJ}\). Das entspricht \(425 / 3.6 = 118\,\mathrm{kWh}\).
A4.2 KERN Ein Ölkessel mit \(\eta = 0.88\) soll \(54\,\mathrm{GJ}\) Heizwärme liefern. Wie viel Heizöl braucht er — in Kilogramm und in Litern?
Lösung anzeigen
Ansatz. \(m = \dfrac{Q}{\eta \cdot H}\), danach über die Dichte auf das Volumen:
\[ m = \frac{54\,000\,\mathrm{MJ}}{0.88 \cdot 42.6\,\tfrac{\mathrm{MJ}}{\mathrm{kg}}} = 1440\,\mathrm{kg} \]
\(V = \dfrac{1440\,\mathrm{kg}}{0.84\,\mathrm{kg/l}} = 1714\,\mathrm{l}\), also gut \(1700\,\mathrm{l}\).
A4.3 VERTIEFUNG Frisch geschlagenes Holz enthält viel Wasser. Nenne zwei Gründe, warum sein Heizwert deutlich unter \(15\,\mathrm{MJ/kg}\) liegt.
Lösung anzeigen
Erstens ist ein Teil der Masse Wasser und liefert selbst gar keine Energie: Ein Kilogramm feuchtes Holz enthält weniger brennbare Substanz als ein Kilogramm trockenes.
Zweitens muss dieses Wasser beim Verbrennen verdampft werden, und die Verdampfungswärme von \(2256\,\mathrm{kJ/kg}\) geht mit dem Abgas verloren. Beide Effekte zusammen können den Heizwert fast halbieren. Genau hier liegt auch der Unterschied zwischen Heizwert und Brennwert: Der Brennwert zählt diese Kondensationswärme mit, weil ein Brennwertkessel sie aus dem Abgas zurückholt.
Die Wärmepumpe: warum die Leistungszahl über eins liegt
Du erklärst, woher die zusätzliche Wärme kommt, rechnest mit der Leistungszahl und begründest, warum das kein Wirkungsgrad über eins ist.
Einstiegsfrage. Eine Wärmepumpe gibt vier Kilowattstunden Wärme ab und bezieht dafür eine Kilowattstunde Strom. Widerspricht das der Energieerhaltung? Notiere deine Vermutung.
Der Widerspruch löst sich mit einer dritten Grösse. Die Wärmepumpe erzeugt die Wärme nicht, sie holt sie aus der Umgebung — aus Luft, Erdreich oder Grundwasser — und hebt sie auf ein nutzbares Niveau. Drei der vier Kilowattstunden waren also schon da:
\[ Q_\text{ab} = W_\text{el} + Q_\text{Umgebung} \]
Bewertet wird sie darum nicht mit dem Wirkungsgrad, sondern mit der Leistungszahl (englisch COP). Sie setzt die abgegebene Wärme ins Verhältnis zur eingesetzten Arbeit:
\[ \varepsilon = \frac{Q_\text{ab}}{W_\text{el}} \]
Diese Zahl darf über eins liegen, weil im Nenner nur der Strom steht — die Umgebungswärme ist gratis. Zählte man sie mit, käme wieder ein Wirkungsgrad unter eins heraus.
Grenze = T_warm / (T_warm − T_kalt) = 308.15 K / 35 K = 8.8; im Modell mit Gütegrad 0.45 gerechnet
Beispiel — vollständig gerechnet
Ein Haus braucht \(12\,000\,\mathrm{kWh}\) Heizwärme im Jahr. Die Wärmepumpe erreicht im Mittel \(\varepsilon = 4.0\).
Ansatz. Gesucht ist der Strom, also die Leistungszahl umstellen:
\[ W_\text{el} = \frac{Q_\text{ab}}{\varepsilon} = \frac{12\,000\,\mathrm{kWh}}{4.0} = 3000\,\mathrm{kWh} \]
Die restlichen \(9000\,\mathrm{kWh}\) stammen aus der Umgebung. Zum Vergleich: Eine Elektroheizung bräuchte für dieselbe Wärme \(12\,000\,\mathrm{kWh}\) Strom, also das Vierfache.
Merksatz
Die Wärmepumpe erzeugt keine Wärme, sie hebt vorhandene an. Darum darf ihre Leistungszahl \(\varepsilon = Q_\text{ab} / W_\text{el}\) über eins liegen. Nach oben begrenzt sie der Temperaturhub: kleine Vorlauftemperatur und milde Quelle heissen grosse Leistungszahl.
A5.1 KERN Eine Wärmepumpe gibt \(9000\,\mathrm{kWh}\) Wärme ab und bezieht \(2500\,\mathrm{kWh}\) Strom. Berechne die Leistungszahl und den Anteil aus der Umgebung.
Lösung anzeigen
\[ \varepsilon = \frac{9000\,\mathrm{kWh}}{2500\,\mathrm{kWh}} = 3.6 \]
Aus der Umgebung stammen \(9000 - 2500 = 6500\,\mathrm{kWh}\), also rund \(72\,\%\) der abgegebenen Wärme.
A5.2 KERN Warum sinkt die Leistungszahl, wenn es draussen kälter wird? Beziehe dich auf die Simulation.
Lösung anzeigen
Die Pumpe muss die Wärme von der Quellentemperatur auf die Vorlauftemperatur heben. Je grösser dieser Temperaturhub, desto mehr Arbeit kostet jede Kilowattstunde Wärme. In der Simulation steht der Hub im Nenner der Grenze \(T_\text{warm} / (T_\text{warm} - T_\text{kalt})\): Bei \(0\,^\circ\mathrm{C}\) Quelle und \(35\,^\circ\mathrm{C}\) Vorlauf beträgt er \(35\,\mathrm{K}\), bei \(-10\,^\circ\mathrm{C}\) schon \(45\,\mathrm{K}\) — und die Leistungszahl fällt entsprechend. Genau dann, wenn am meisten Wärme gebraucht wird, arbeitet die Pumpe also am ungünstigsten.
A5.3 VERTIEFUNG Eine Werbung verspricht «\(400\,\%\) Wirkungsgrad». Was ist daran falsch formuliert, und wie lautet die Aussage richtig?
Lösung anzeigen
Ein Wirkungsgrad zählt alle zugeführten Energien im Nenner. Bei der Wärmepumpe gehören dazu der Strom und die Umgebungswärme; dann liegt das Verhältnis unter eins, wie bei jedem anderen Gerät auch.
Richtig heisst es: «Die Leistungszahl beträgt \(4.0\)» oder «Aus einer Kilowattstunde Strom werden vier Kilowattstunden Heizwärme». Die Zahl stimmt, die Bezeichnung nicht — und sie legt nahe, es entstünde Energie aus dem Nichts.
Energiequellen im Vergleich
Du unterscheidest Energiequellen von Technologien und vergleichst Heizsysteme nach Verfügbarkeit, Wirkungsgrad und Kohlendioxid.
Einstiegsfrage. Wasserkraft, Wind, Sonne, Biogas, Wärmepumpe, Wärme-Kraft-Kopplung — zwei dieser sechs passen nicht in die Reihe. Welche, und warum? Notiere deine Vermutung.
Eine Energiequelle liefert Energie, die von aussen laufend nachfliesst — bei Wasserkraft, Wind, Sonne und Biogas letztlich fast immer aus der Sonne. Eine Technologie liefert keine Energie, sie nutzt vorhandene besser: Die Wärmepumpe hebt Umgebungswärme an, die Wärme-Kraft-Kopplung nutzt die Abwärme der Stromerzeugung gleich mit.
Verglichen werden Systeme nach drei Gesichtspunkten, und sie fallen selten gleich aus:
- Verfügbarkeit. Sonne und Wind liefern, wenn die Natur es zulässt; Speicherseen, Pumpspeicher und Biogas lassen sich speichern und auf Abruf einsetzen; Laufwasserkraft dagegen liefert, was der Fluss gerade hergibt. Hier liegt der grösste Unterschied.
- Wirkungsgrad. Wie viel der angebotenen Energie kommt als Nutzen an? Für den Vergleich muss klar sein, wo die Kette beginnt (Schritt 3).
- Kohlendioxid. Wie viel entsteht je gelieferter Kilowattstunde — über den ganzen Lebensweg gerechnet, nicht nur im Betrieb.
Kernenergie gehört in denselben Vergleich, obwohl sie keine erneuerbare Quelle ist: Sie lebt von einem Vorrat an Brennstoff, nicht von einem laufenden Zufluss. Nach denselben drei Gesichtspunkten: Verfügbarkeit — regelbar und wetterunabhängig, mit grosser Leistung auf kleiner Fläche; Wirkungsgrad — ein Kernkraftwerk ist eine Wärmekraftmaschine und liegt wie andere thermische Kraftwerke bei rund einem Drittel; Kohlendioxid — im Betrieb praktisch keines, über den ganzen Lebensweg gerechnet ähnlich wenig wie Wind und Wasserkraft. Dazu kommen zwei Punkte, die keine der anderen Optionen in dieser Form hat: die Entsorgung langlebiger radioaktiver Abfälle und das Störfallrisiko.
W = Q / ε = 15 000 kWh / 4.0 = 3750 kWh Strom; die Balken zeigen Endenergie, und eine Kilowattstunde Strom ist nicht dasselbe wie eine Kilowattstunde Holz
| System | Quelle oder Technologie | Verfügbarkeit | bemerkt |
|---|---|---|---|
| Wasserkraft | Quelle | speicherbar, auf Abruf | hoher Wirkungsgrad, standortgebunden |
| Windkraft | Quelle | wetterabhängig | liefert, wenn der Wind weht |
| Sonne (Photovoltaik) | Quelle | tages- und wetterabhängig | im Winter am wenigsten, wenn am meisten gebraucht wird |
| Biogas | Quelle | speicherbar | aus Reststoffen; begrenzte Menge |
| Wärmepumpe | Technologie | braucht Strom | hebt Umgebungswärme an (Schritt 5) |
| Wärme-Kraft-Kopplung | Technologie | braucht Brennstoff | nutzt Strom und Abwärme zugleich |
Merksatz
Quellen liefern Energie, Technologien nutzen sie besser. Verglichen wird nach Verfügbarkeit, Wirkungsgrad und Kohlendioxid — und ein Vergleich ist nur brauchbar, wenn für alle Systeme dieselbe Systemgrenze gilt.
A6.1 KERN Ordne zu: Welche der sechs Systeme in der Tabelle sind Quellen, welche Technologien? Begründe an einem Beispiel je Gruppe.
Lösung anzeigen
Quellen sind Wasserkraft, Wind, Sonne und Biogas: Bei ihnen fliesst Energie von aussen laufend nach. Technologien sind die Wärmepumpe und die Wärme-Kraft-Kopplung: Die Wärmepumpe hebt vorhandene Umgebungswärme mit Hilfe von Strom auf ein nutzbares Niveau, die Wärme-Kraft-Kopplung nutzt die Abwärme der Stromerzeugung mit, statt sie wegzukühlen. Beide vergrössern die Energiemenge nicht, sie verbessern die Ausbeute.
A6.2 KERN Ein Haus braucht \(18\,000\,\mathrm{kWh}\) Heizwärme. Vergleiche den Bedarf an Endenergie für eine Elektroheizung (\(\eta = 1.0\)) und eine Wärmepumpe (\(\varepsilon = 3.5\)).
Lösung anzeigen
Elektroheizung: \(18\,000\,\mathrm{kWh}\) Strom — sie wandelt Strom eins zu eins in Wärme um.
Wärmepumpe: \(W = \dfrac{18\,000\,\mathrm{kWh}}{3.5} = 5143\,\mathrm{kWh}\) Strom; die restlichen \(12\,857\,\mathrm{kWh}\) kommen aus der Umgebung. Die Wärmepumpe braucht also nur rund \(29\,\%\) des Stroms — bei derselben Wärme im Haus.
A6.3 VERTIEFUNG Warum lässt sich aus dem Vergleich in Abb. 6 allein nicht sagen, welches System das beste ist?
Lösung anzeigen
Weil die Balken Endenergie zeigen, und die ist nicht gleichwertig: Eine Kilowattstunde Strom muss zuerst irgendwo erzeugt werden — je nach Kraftwerk mit Verlusten und mit Kohlendioxid —, während eine Kilowattstunde Holz aus dem Wald kommt. Die Kette vor dem Haus ist im Bild nicht enthalten (Schritt 3).
Für eine Beurteilung braucht es zusätzlich die Herkunft des Stroms, den Ausstoss an Kohlendioxid über den ganzen Lebensweg, die Verfügbarkeit und schliesslich die Kosten. Der Vergleich zeigt genau eine Sache sauber: wie viel Endenergie dasselbe Haus in jedem Fall braucht.
Die drei Wege der Wärme
Du unterscheidest Leitung, Konvektion und Strahlung, ordnest Alltagsbeispiele zu und erklärst, warum sich Metall kälter anfühlt als Holz.
Einstiegsfrage. Der Pfannengriff wird heiss, der Heizkörper wärmt das ganze Zimmer, und die Sonne wärmt durch das leere Weltall. Was ist an den drei Vorgängen verschieden? Notiere deine Vermutung.
| Weg | was wandert | braucht | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Wärmeleitung | nur Energie, von Nachbar zu Nachbar | Stoff, aber keine Strömung | Pfannengriff, Metallgeländer |
| Konvektion | der Stoff selbst, mitsamt seiner Energie | ein strömendes Gas oder eine Flüssigkeit | Heizkörper, Föhn, Meeresströmung |
| Wärmestrahlung | elektromagnetische Wellen im Infraroten | gar nichts — auch Vakuum genügt | Sonne, Lagerfeuer, Kachelofen |
Wie gut ein Stoff die Wärme leitet, sagt seine Wärmeleitfähigkeit. Die Unterschiede sind gewaltig, und sie erklären eine alltägliche Täuschung:
| Stoff | Wärmeleitfähigkeit in \(\mathrm{W/(m \cdot K)}\) | bemerkt |
|---|---|---|
| Kupfer | rund 400 | darum Kühlkörper und Pfannenböden |
| Stahl, Eisen | rund 80 | |
| Glas | rund 0.8 | |
| Wasser | rund 0.6 | nasse Kleidung kühlt darum stark aus |
| Holz | rund 0.15 | rund 500-mal schlechter als Eisen |
| Mineralwolle | rund 0.04 | wirkt über die eingeschlossene Luft |
| ruhende Luft | rund 0.026 | nur solange sie ruht — sonst Konvektion |
Die Werte sind Orientierungsgrössen; sie hängen von Temperatur, Feuchte und Bauart ab.
Ein Metallgeländer und ein Holzgeländer im selben Raum sind nach Stunden gleich warm — sie stehen im thermischen Gleichgewicht, und das Thermometer zeigt an beiden denselben Wert. Die Haut misst aber nicht die Temperatur des Gegenstands: Ihre Sinneszellen reagieren auf die Temperatur der Hautstelle selbst und darauf, wie schnell sie sich ändert — und das hängt am Wärmestrom, nicht an der Temperatur des Gegenstands allein. Am Metall geschieht das viel schneller — es leitet rund \(500\)-mal besser als Holz, weil in Metallen zusätzlich die frei beweglichen Elektronen Energie weitertragen. Rechnet man die Temperatur an der Berührstelle aus, kommen bei \(20\,^\circ\mathrm{C}\) Raumtemperatur rund \(21\,^\circ\mathrm{C}\) am Eisen und rund \(29\,^\circ\mathrm{C}\) am Holz heraus.
Merksatz
Leitung braucht Stoff, aber keine Strömung; Konvektion braucht Strömung; Strahlung braucht gar nichts. «Kalt» ist kein Zustand des Gegenstands, sondern ein Urteil über den Wärmestrom — die Temperatur sagt das Thermometer.
A7.1 KERN Ordne jedem Vorgang den Weg zu: (a) Der Löffel im Tee wird heiss. (b) Die Sonne wärmt das Gesicht. (c) Über dem Heizkörper flimmert die Luft. (d) Der Kachelofen wärmt auch bei geschlossener Tür.
Lösung anzeigen
(a) Leitung — Energie wandert im Metall von Nachbar zu Nachbar. (b) Strahlung — sie kommt durch das Vakuum des Weltalls. (c) Konvektion — die warme Luft steigt selbst auf. (d) Strahlung — die heisse Ofenoberfläche strahlt im Infraroten ab; ein Teil kommt zusätzlich als Konvektion durch die aufsteigende Luft.
A7.2 KERN Erkläre, wie eine Thermoskanne alle drei Wege bremst.
Lösung anzeigen
Zwischen den beiden Wänden ist ein Vakuum: Ohne Stoff gibt es weder Leitung noch Konvektion. Die verbleibende Strahlung wirft die Verspiegelung zurück. Was übrig bleibt, ist der Weg über den Verschluss und die dünne Verbindung der beiden Wände — darum wird auch eine Thermoskanne mit der Zeit kalt, nur eben viel langsamer.
A7.3 VERTIEFUNG Mineralwolle leitet die Wärme kaum besser als ruhende Luft. Warum dämmt man dann nicht einfach mit einem Luftspalt?
Lösung anzeigen
Weil Luft in einem grösseren Spalt nicht ruht: Sie erwärmt sich an der warmen Seite, steigt auf, kühlt an der kalten Seite ab und sinkt — es entsteht Konvektion, und die transportiert weit mehr Wärme als die Leitung. Dämmstoffe sind darum so gebaut, dass sie die Luft in vielen kleinen Kammern festhalten. Genau das leisten Mineralwolle, Schaum, Daunen und der Pelz eines Tieres.
Dämmen — und der Treibhauseffekt
Du begründest, welche Massnahme welchen Weg der Wärme bremst, und erklärst den Treibhauseffekt aus der unterschiedlichen Durchlässigkeit der Atmosphäre.
Einstiegsfrage. Der Mond ist gleich weit von der Sonne entfernt wie die Erde und bleibt trotzdem eiskalt. Woran liegt das? Notiere deine Vermutung.
Dämmen heisst: jedem der drei Wege aus Schritt 7 einen Riegel vorschieben. Weil die Wege verschieden sind, sind es auch die Massnahmen:
| Weg | Massnahme | warum sie wirkt |
|---|---|---|
| Leitung | Dämmstoff mit eingeschlossener Luft | Luft leitet schlecht, wenn sie festgehalten wird |
| Konvektion | dichte Fugen, kleine Kammern, Doppelverglasung | ohne Strömung kein Transport durch den Stoff |
| Strahlung | Verspiegelung, beschichtetes Glas | die Infrarotstrahlung wird zurückgeworfen |
Genau dieses Zusammenspiel gibt es auch im Grossen — mit einem entscheidenden Unterschied: Die Atmosphäre lässt den Hinweg leichter durch als den Rückweg.
Der Vorgang hat vier Schritte, und jeder einzelne ist aus Schritt 7 bekannt:
- Hinein. Für sichtbares Sonnenlicht ist die Atmosphäre weitgehend durchlässig. Es erreicht den Boden und erwärmt ihn.
- Abstrahlen. Der warme Boden strahlt selbst — aber nicht als Licht, sondern im Infraroten. Je wärmer ein Körper, desto mehr strahlt er ab.
- Aufgehalten. Für dieses Infrarot ist die Atmosphäre nur teilweise durchlässig. Kohlendioxid, Wasserdampf und Methan nehmen es auf.
- Zurück. Sie strahlen es in alle Richtungen neu ab — auch nach unten. Ein Teil der Energie kehrt also zum Boden zurück.
Zwei Zahlen und ihr Unterschied
Der natürliche Treibhauseffekt gibt es seit jeher. Ohne ihn läge die mittlere Oberflächentemperatur der Erde bei rund \(-18\,^\circ\mathrm{C}\) statt bei rund \(+15\,^\circ\mathrm{C}\) — ohne ihn wäre der Planet unbewohnbar.
Die Verstärkung ist das Neue: Steigt die Konzentration der aufnehmenden Gase, wird der Rückweg noch schwerer, und die Gleichgewichtstemperatur steigt. Der Mechanismus ist derselbe; verändert hat sich nur, wie stark er wirkt.
Merksatz
Der Treibhauseffekt entsteht, weil die Atmosphäre für den Hinweg durchlässiger ist als für den Rückweg: Licht kommt herein, Infrarot kommt schlechter hinaus. Dämmen im Haus verfolgt dasselbe Ziel — weniger Energie nach draussen —, arbeitet aber mit anderen Mitteln: für jeden der drei Wege eine eigene Massnahme.
A8.1 KERN Warum wird ein geschlossenes Auto in der Sonne so heiss, obwohl Glas doch durchsichtig ist?
Lösung anzeigen
Für sichtbares Licht ist das Glas durchlässig: Es erreicht die Sitze und erwärmt sie. Die Sitze strahlen im Infraroten zurück, und dafür ist Glas kaum durchlässig — die Energie bleibt weitgehend drin. Dazu kommt, dass die erwärmte Luft nicht abfliessen kann; die Konvektion nach draussen fällt weg. Beides zusammen ergibt die bekannte Hitze.
A8.2 KERN Nenne für jeden der drei Wege eine Massnahme am Haus und begründe sie in einem Satz.
Lösung anzeigen
Leitung: eine Dämmschicht aus Mineralwolle oder Schaum — sie hält Luft in kleinen Kammern fest, und ruhende Luft leitet sehr schlecht. Konvektion: dichte Fenster- und Türfugen sowie mehrere Scheiben — ohne Strömung kein Transport. Strahlung: eine Infrarot-Beschichtung auf dem Glas — sie wirft die Wärmestrahlung des Zimmers zurück, lässt das Licht aber herein.
A8.3 VERTIEFUNG Ein Treibhaus im Garten wird ebenfalls warm — aber der Hauptgrund ist ein anderer als bei der Atmosphäre. Welcher?
Lösung anzeigen
Im Gartentreibhaus ist die unterbundene Konvektion der Hauptgrund: Die erwärmte Luft kann nicht wegströmen, weil das Glas sie einschliesst. Der Strahlungsanteil kommt dazu, ist aber der kleinere Beitrag — Messungen zeigen das, seit man Treibhäuser mit strahlungsdurchlässigen Materialien gebaut hat: Sie werden trotzdem warm.
Bei der Atmosphäre ist es umgekehrt: Es gibt keine Hülle, die Luft festhält; dort wirkt allein die Strahlungsbilanz. Der Name «Treibhauseffekt» ist also ein Vergleich, kein Beweis — und er hinkt genau an dieser Stelle.
Gesamttest zur Selbstkontrolle
Sieben Aufgaben, 20 Punkte, 25 Minuten. Taschenrechner und die Tabellen im Anhang sind erlaubt, die Lösungen nicht.
Schreib den Test unter Prüfungsbedingungen: alle sieben Aufgaben zuerst lösen, dann erst die Lösungen aufklappen.
T.1 Ein Ofen nimmt \(30\,\mathrm{MJ}\) auf und gibt \(24\,\mathrm{MJ}\) als nutzbare Wärme ab. Berechne den Wirkungsgrad und die Abwärme, und nenne den Weg, auf dem sie das Haus verlässt. (3 P)
T.2 Eine Antriebskette hat die Stufen \(0.92\), \(0.88\) und \(0.75\). Berechne den Gesamtwirkungsgrad und begründe, welche Stufe zu verbessern am meisten bringt. (3 P)
T.3 Ein Haus braucht \(18\,000\,\mathrm{kWh}\) Heizwärme im Jahr. Wie viel Heizöl verbraucht ein Kessel mit \(\eta = 0.88\)? Gib das Ergebnis in Kilogramm und in Litern an. (3 P)
T.4 Dasselbe Haus wird auf eine Wärmepumpe mit \(\varepsilon = 3.5\) umgestellt. Wie viel Strom braucht sie, und wie viel Wärme kommt aus der Umgebung? (3 P)
T.5 Ordne den drei Wegen der Wärme je ein Beispiel zu und nenne, was der jeweilige Weg zwingend braucht. (2 P)
T.6 Eine Thermoskanne hat Vakuum zwischen den Wänden und eine Verspiegelung. Welche Massnahme bremst welchen Weg? (3 P)
T.7 Erkläre in drei bis vier Sätzen, warum die Erde ohne Atmosphäre deutlich kälter wäre. (3 P)
Alle Lösungen und die Auswertung anzeigen
T.1 \(\eta = \dfrac{24\,\mathrm{MJ}}{30\,\mathrm{MJ}} = 0.80\); die Abwärme beträgt \(30 - 24 = 6\,\mathrm{MJ}\). Sie verlässt das Haus als warmes Abgas durch den Kamin. (Wirkungsgrad 1 P, Differenz 1 P, Weg 1 P)
T.2 \(\eta_\text{ges} = 0.92 \cdot 0.88 \cdot 0.75 = 0.607 \approx 61\,\%\).
Am meisten bringt die schlechteste Stufe: Hebt man \(0.75\) auf \(0.85\), steigt das Produkt auf \(0.688\) — gut acht Prozentpunkte. Dieselbe Verbesserung an der besten Stufe (\(0.92\) auf \(1.00\), was gar nicht möglich ist) brächte weniger. (Produkt 1 P, Zahlenwert 1 P, Begründung 1 P)
T.3 Zuerst die Energie umrechnen: \(18\,000\,\mathrm{kWh} \cdot 3.6\,\tfrac{\mathrm{MJ}}{\mathrm{kWh}} = 64\,800\,\mathrm{MJ}\).
\[ m = \frac{Q}{\eta \cdot H} = \frac{64\,800\,\mathrm{MJ}}{0.88 \cdot 42.6\,\tfrac{\mathrm{MJ}}{\mathrm{kg}}} = 1729\,\mathrm{kg} \]
Mit \(0.84\,\mathrm{kg/l}\) sind das \(V = 2058\,\mathrm{l}\), also rund \(2100\,\mathrm{l}\). (Umrechnung 1 P, Masse 1 P, Volumen 1 P)
T.4 \(W = \dfrac{18\,000\,\mathrm{kWh}}{3.5} = 5143\,\mathrm{kWh}\) Strom; aus der Umgebung kommen \(18\,000 - 5143 = 12\,857\,\mathrm{kWh}\). (Ansatz 1 P, Strom 1 P, Umgebungsanteil 1 P)
T.5 Leitung: Pfannengriff — braucht Stoff, aber keine Strömung. Konvektion: Heizkörper im Zimmer — braucht ein strömendes Gas oder eine Flüssigkeit. Strahlung: die Sonne — braucht gar nichts, auch Vakuum genügt. (je 1 P für zwei vollständig richtige Zuordnungen)
T.6 Das Vakuum unterbindet zugleich die Leitung (kein Stoff, der weitergeben kann) und die Konvektion (kein Stoff, der strömen kann). Die Verspiegelung wirft die Strahlung zurück. Übrig bleibt der Weg über Verschluss und Wandverbindung. (Leitung 1 P, Konvektion 1 P, Strahlung 1 P)
T.7 Sichtbares Sonnenlicht durchdringt die Atmosphäre fast ungehindert und erwärmt den Boden. Der Boden strahlt diese Energie im Infraroten wieder ab. Für Infrarot ist die Atmosphäre aber nur teilweise durchlässig: Kohlendioxid und Wasserdampf nehmen es auf und strahlen es in alle Richtungen neu ab, auch nach unten. Damit stellt sich ein höheres Gleichgewicht ein — ohne diesen Effekt läge die mittlere Temperatur bei rund \(-18\,^\circ\mathrm{C}\) statt bei \(+15\,^\circ\mathrm{C}\). (Hinweg 1 P, Rückweg im Infraroten 1 P, Asymmetrie und Folge 1 P)
Auswertung. Ab 16 Punkten sitzt das Kapitel. Bei 12 bis 15 Punkten hast du eine gezielte Lücke — schau nach, in welchem Schritt die verlorenen Punkte lagen, und arbeite nur diesen nochmals durch. Unter 12 Punkten lohnt sich der Weg ab Schritt 2 von vorn.
Wo du nachschlägst, wenn etwas nicht stimmte.
| Fehler bei | Das gehört noch einmal angeschaut |
|---|---|
| T.1 | Schritt 2 — der Wirkungsgrad und die Differenz |
| T.2 | Schritt 3 — Wirkungsgrade in Serie |
| T.3 | Schritt 4 — Heizwert und Umrechnung kWh in MJ |
| T.4 | Schritt 5 — Leistungszahl der Wärmepumpe |
| T.5, T.6 | Schritt 7 — die drei Wege |
| T.7 | Schritt 8 — Treibhauseffekt |
Wo Punkte typischerweise verloren gehen: Wirkungsgrade addiert statt multipliziert, den Wirkungsgrad im Zähler statt im Nenner eingesetzt, Kilowattstunden nicht in Joule umgerechnet, die Leistungszahl als Wirkungsgrad bezeichnet, oder Konvektion und Leitung verwechselt — Konvektion braucht immer eine Strömung.
Formeln und Werte auf einen Blick
| Grösse | Formel | bemerkt |
|---|---|---|
| Wirkungsgrad | \(\eta = \dfrac{E_\text{nutz}}{E_\text{zu}} \le 1\) | reine Zahl, oft in Prozent |
| Energiebilanz | \(E_\text{zu} = E_\text{nutz} + E_\text{verlust}\) | der Rest ist immer Wärme |
| Kette | \(\eta_\text{ges} = \eta_1 \cdot \eta_2 \cdot \ldots\) | kleiner als der kleinste Einzelwert |
| Heizwert | \(Q = m \cdot H\) | macht aus einer Menge eine Energie |
| Brennstoffmenge | \(m = \dfrac{Q}{\eta \cdot H}\) | Wirkungsgrad im Nenner |
| Leistungszahl | \(\varepsilon = \dfrac{Q_\text{ab}}{W_\text{el}}\) | darf über eins liegen |
| Wärmepumpe, Bilanz | \(Q_\text{ab} = W_\text{el} + Q_\text{Umgebung}\) | die Umgebung liefert den Rest |
| Grenze der Leistungszahl | \(\varepsilon_\text{max} = \dfrac{T_\text{warm}}{T_\text{warm} - T_\text{kalt}}\) | in Kelvin rechnen |
| Leistung | \(P = \dfrac{E}{t}\) | \(1\,\mathrm{W} = 1\,\mathrm{J/s}\) |
| Brennstoff | \(H\) in \(\mathrm{MJ/kg}\) | in \(\mathrm{kWh/kg}\) |
|---|---|---|
| Erdgas | 50.0 | 13.9 |
| Propan | 46.4 | 12.9 |
| Benzin | 43.0 | 11.9 |
| Heizöl | 42.6 | 11.8 |
| Steinkohle | 30.0 | 8.3 |
| Holzpellets | 17.0 | 4.7 |
| Buchenholz, trocken | 15.0 | 4.2 |
| Wert | Zahl | bemerkt |
|---|---|---|
| Kilowattstunde | \(1\,\mathrm{kWh} = 3.6\,\mathrm{MJ}\) | die Einheit auf der Rechnung |
| Dichte von Heizöl | \(0.84\,\mathrm{kg/l}\) | für die Umrechnung kg in l |
| Dichte von Benzin | \(0.75\,\mathrm{kg/l}\) | |
| spezifische Wärmekapazität Wasser | \(4182\,\mathrm{J/(kg \cdot K)}\) | für die Kontrollrechnungen |
| Wirkungsgrad Ölkessel | rund \(0.90\) | Brennwertkessel etwas mehr |
| Leistungszahl Wärmepumpe | \(3\) bis \(5\) | je nach Quelle und Vorlauf |
| Erdtemperatur ohne Treibhauseffekt | rund \(-18\,^\circ\mathrm{C}\) | statt rund \(+15\,^\circ\mathrm{C}\) |
Wie es weitergeht
Die Themenseite 5.2 Wärme vertieft dieses Kapitel mit weiteren Animationen und Aufgaben; die Grundlagen zu Arbeit, Energie und Leistung stehen auf 4.3 Energie.
Wer die Rechnungen mit \(Q = m \cdot c \cdot \Delta T\) und der Wärmebilanz noch nicht sicher beherrscht, arbeitet zuerst das Leitprogramm «Wärmemenge und Wärmebilanz» durch. Was mit der Wärme im Stoff geschieht, führen die Leitprogramme zur Wärmeausdehnung und zu den idealen Gasen fort.